Schenkung Bibliothek Etta und Otto Stangl

Die Sammler Etta und Otto Stangl eröffneten 1947 in München ihre „Moderne Galerie Otto Stangl“. Sie entwickelte sich rasch zu einer der wichtigsten Institutionen in der Münchner Kunstszene der Nachkriegszeit, die sich außer den Malern der Klassischen Moderne vor allem auch der Förderung der zeitgenössischen Avantgarde widmete. Als großzügige Schenkung seitens der Familie erhielt die Bibliothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte im Sommer 2001 aus dem Nachlass des Ehepaares Stangl einen umfangreichen Bestand von über 3.000 Ausstellungskatalogen und Künstlermonographien, darunter zahlreiche seltene Kataloge aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Die Galerie Otto Stangl wurde zuerst in der Schwabinger Martiusstraße 7, sodann von 1962 bis 1975 im Luitpoldblock in der Brienner Straße geführt. Von 1953 bis 1972 bestand eine hauptsächlich von Etta Stangl betreute Dependance in der Galeriestraße 2, das sogenannte. Kunstkabinett Otto Stangl. Die Galerie Otto Stangl vertrat im Sinne des Programms der Gruppe ZEN 49, ausgehend von der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts, vor allem die zeitgenössischen Abstrakten. Zu den Gründungsmitgliedern der als „Gruppe der Gegenstandslosen“ in der Martiusstraße 7 begründeten Gruppe ZEN 49 zählten Willi Baumeister, Fritz Winter, Rupprecht Geiger, Gerhard Fietz, Willy Hempel, Brigitte Meier-Denninghoff und Rolf Cavael. Zur ideologischen Bezugnahme auf den Blauen Reiter passte später das Domizil der Galerie im Luitpoldblock, wo 1912 in der Kunsthandlung Hans Goltz die zweite Ausstellung des Blauen Reiter stattfand.

Ein knappes Jahrzehnt nach der Präsentation der nun der Galerie der Stadt Stuttgart übergebenen Kunstsammlung des 1990 verstorbenen Münchener Galeristenehepaars Stangl in der Staatsgalerie moderner Kunst und im Westfälischen Landesmuseum Münster erfolgte 2001 die Schenkung des wesentlichen Teils der Bibliothek von Etta und Otto Stangl an die Bibliothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte.

Analog zur Kunstsammlung Stangl stammt der wertvolle Grundstock der Bibliothek Stangl aus dem Besitz von Etta Stangls Vater, dem bedeutenden Barmer Kunstsammler und Pianofabrikanten Rudolf Ibach (1873-1940). Ibach, der große Paul-Klee-Sammler, war von etwa 1910 bis Ende der zwanziger Jahre, zunächst in Berlin, seit 1919 in Barmen, einer der entscheidenden Förderer der Avantgarde in Deutschland. Es handelt sich bei diesem Grundstock um eine größere Menge von in der Bibliothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte bislang nicht vorhandenen Ausstellungskatalogen, Zeitschriftenheften etc. aus der Zeit vor Beginn des Ersten Weltkriegs bis zum Ende der Weimarer Republik. Hinzu kommt hier der Reichtum an neu hinzugewonnenen Künstlerpublikationen aus der Zeit der Galerie Stangl selbst.

Die Bücher der Schenkung zeichnen sich aus durch ihren originalen, nicht durch Bibliothekseinbände oder exzessiven Gebrauch beeinträchtigten, teils exzellenten Zustand. Sie sind vielfach mit bedeutenden Widmungen versehen oder „getrüffelt“ mit Relikten von hoher Evokationskraft wie Eintritts- und Einladungskarten, Zeitungsausschnitten und Korrespondenz. Bei der sukzessiven Integrierung in den Rara-Bestand der Bibliothek des Zentralinstituts wurde dieser authentische Zustand aufmerksam bewahrt.

Exlibris Etta und Otto StanglAls bescheidene Würdigung dieser der Familie von Etta Stangl zu verdankenden Schenkung wurden die Bücher mit einem speziellen „Exlibris“ versehen, das sich im Einzelfall zu demjenigen von Emil Preetorius für Elisabeth, gen. Lilli, und Rudolf Ibach entworfenen gesellt.

Die nach dem Abschluss der Inventarisierung und Katalogisierung der geschenkten Bücher aus dem Nachlass Etta und Otto Stangl verbliebenen Dubletten wurden in Absprache mit dem Schenker im Jahre 2009 dem Franz Marc Museum in Kochel am See übergeben.

Literaturauswahl

Stoll, Andrea R.: Hommage an einen Galeristen : Otto Stangl und seine Künstlerfreunde. – Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz, 2003 [ZI-Signatur: XE-St 14/50]

Clelia Segieth: Etta und Otto Stangl : Galeristen, Sammler, Museumsgründer. – Berlin: Wienad, 2000
[ZI-Signatur: XE-St 14/20]

Schweiger, Werner J.: Rudolf Ibach : Mäzen, Förderer und Sammler der Moderne, 1873-1940. – Wien: Privatdruck, 1994
[ZI-Signatur: XD-Ib 160/40]

Sammlung Etta und Otto Stangl / hrsg. Von Carla Schulz-Hoffmann. – Ostfildern-Ruit: Hatje, 1993
[ZI-Signatur: Kat. Ausst. München 1993/12]

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