Digitalisate der Zeitschrift "Normal. Fachblatt für den dilettantischen Alltag"

Entstehung der Zeitschrift „Normal. Fachblatt für den dilettantischen Alltag“

Resch hatte nie die Intention, an der kommerziellen Kunstszene teilzuhaben. Stattdessen beabsichtigte er, mit geringen finanziellen Mitteln nicht etablierten Kunstschaffenden einen großen Bekanntheitsgrad zu verschaffen. Durch die Arbeit bei einer Kölner Stadtzeitung und angeregt durch alternative Literaturzeitschriften, entstand die Idee eine ähnliche Zeitschrift zu produzieren und sie über die Beteiligten selbst zu finanzieren.
Der Künstler und Mitherausgeber Peter Krabbe betrieb zusammen mit anderen jungen Protagonisten eine Galerie, die hauptsächlich von einem Publikum aus der alternativen Kunstszene besucht wurde und keine kommerziellen Absichten hatte. Sie diente als Treffpunkt, um kollektiv die Umsetzung der Zeitschrift als Non-Profitprojekt zu diskutieren. Entschieden wurde dort, dass die Ausgaben unterschiedliche Formate haben und themenbezogen sein sollten. Beeinflusst von der Punkszene, die in den frühen 80er Jahren Eingang in die Kunstszene fand und angeregt durch das Buch „Geniale Dilettanten“ von Wolfgang Müller (Gründer der Multimediagruppe „Tödliche Doris“) wurde die Zeitschrift „Normal. Fachblatt für den dilettantischen Alltag“ genannt. Es gehörte zum Konzept, die Künstler im Heft gar nicht oder nur in geringem Umfang namentlich zu nennen. Beteiligt waren Personen, die in der freien Kunstszene in Köln tätig waren.
Nachdem die Teilnehmer die ersten Hefte selbst finanzierten und 1984 die erste Nummer verteilt wurde, sponsorten alternative Betriebe die folgenden Ausgaben über Anzeigen. Alle Ausgaben hatten eine Auflage von 1000 Exemplaren und wurden in Kölner Szenekneipen und Veranstaltungsorten ausgelegt, wo sie kostenlos mitgenommen werden konnten.
Nach dem dritten Heft erreichte die Zeitschrift einen größeren Bekanntheitsgrad. Der Fotograf und Filmemacher Ami Vogel aus Berlin stieg schließlich als Mitherausgeber mit ein. Alle Hefte wurden von den Künstlern eigenhändig zusammengelegt, verschraubt oder in durchsichtigen Folien eingeschweißt (Nr. 7 – Das Badewannenheft). Über Verbindungen zur Kunstszene in Berlin (über Ami Vogel) oder in München (über die Wirtschaft „Normal“ in der Kreittmayrstrasse) wurde die Zeitschrift auch in diesen Städten verteilt.
Als Uneinigkeiten über die inhaltliche Ausrichtung der Zeitschrift aufkamen, wurde die Produktion letztlich eingestellt. Stattdessen begann die Arbeit an der Neugründung der Folgezeitschrift „Eins von Hundert“, die deutschlandweit verkauft wurde. In jeder Ausgabe befanden sich Originale.

„Wir wollten nie perfekt sein, die Inhalte sollten das ganze Spektrum des alltäglichen Lebens und seines Wahnsinns darstellen. Das ist uns gelungen, finde ich.“
[Rainer Resch]

 

Zu den Mitherausgebern Peter Krabbe und Ami Vogel:

 

Peter Krabbe

Nachdem Krabbe an den Kölner Werkstätten Bildende Kunst studierte, arbeitete er als freier Grafiker und Bildender Künstler. Ender der 80er Jahren zog er nach Berlin, wo er als Grafiker und Fotograf arbeitet.


Ami Vogel

Schaufenstergestalter, Schlosser, Grafiker, Multimediakünstler, Filmemacher, Fotograf, Regisseur bei „Big Brother“. Mehrjähriger Aufenthalt in Australien, Reisen in Asien und Vorderasien.
Lebt heute in Köln, arbeitet als Fotograf und Filmemacher.

Digitalisate

(kursiv: Erläuterungen von Rainer Resch)

Normal Nr. 1 : Fachblatt für den dilettantischen Alltag / Das Atom ; Keine Panik. V.i.s.p.: Das Normal. Kontaktadresse: R. Resch. - Köln : [s.n.], [1984]. - [8] Bl. : überw. Ill. . - (Normal ; 1).

Signatur: 4° D2-Res 104/40 Rarissima

Die Ausgabe hatte kein Thema. Jeder konnte Beiträge nach seinem Gusto liefern. Deutlich zu spüren ist noch der Einfluss von Punk-Fanzines.


Puzz-Le / Red.: Rainer Resch, Peter Krabbe, Yogi Prausse. - Köln : [s.n.], [1984]. - [16] Bl. : überw. Ill. . - (Normal Nr. 2).

Signatur: 4° D2-Res 104/40 Rarissima

Das Heft hat die verschiedenen Rätselformen in Zeitschriften zum Thema: Puzzle, Labyrinth, Zeichenrätsel mit Nummern, Bilderrätsel, Kreuzworträtsel, Tangram. Schnitt man die einzelnen Teile aus den blauen Seiten aus, ergaben sie ein grobkörniges Foto eines Polizeieinsatzes.

 

Telefonkritzeleien / V.i.S.d.P.: Herm Barner, Peter Krabbe, Yogi Prausse, Pepe Pigulla, Georg Thanefier, Rainer Resch. - Köln : [s.n.], [1985]. - [70] Bl. : überw. Ill. . - (Normal Nr. 4, erschienen vor Nr. 3).

Signatur: 4° D2-Res 104/40 Rarissima

Im Heft sind Kritzeleien festgehalten, die bei Telefongesprächen halb bewusst gezeichnet wurden, ebenfalls Kritzeleien auf Bierdeckeln oder anderen Schreibunterlagen. Eigentlich sollte die Ausgabe nach der Nr. 3 erscheinen, aber sie war vorher fertig.

 

Normal Nr. 3 : [die dreieckige Ausgabe] / Red.: Art Visual. Verantw. Red.: Ami Vogel. Gestaltung u. Layout: Ami Vogel, Rainer Resch. Mitarb.: Christoph Reckhaus, Carsten Schneider, Ester von Below, Hubert Hülskamp, Jochen Theiser, Makus, Peter Krabbe, Sabine, Uli Hubel. - Köln : [s.n.], [1986]. - [4, 6] Bl. : überw. Ill. . - (Normal ; 3)
Wendebuch.

Signatur: 4° D2-Res 104/40 Rarissima

Die Ausgabe kann von zwei Seiten gelesen werden. Eine Umschlagseite enthielt eine mit Wachsstiften bekritzelte Grafik. Auf Anzeigen der Stadtrevue befanden sich jeweils andere Glanzbildchen. Die erste Ausgabe, in der Anzeigen erschienen.

 
Normal Nr. 5 : [das Ascheröhrchen] / Peter Krabbe ; Rainer Resch ; Ami Vogel. - Köln : [s.n.], [1986]. - [1] Bl. . - (Normal ; 5).

Signatur: 4° D2-Res 104/40 Rarissima

Umschlag mit grünem Logostempel „NORMAL“, Inhalt: Reagenzröhrchen 150 mm lang, Durchmesser: 13 mm, Füllung: Asche von alten Ausgaben der Normalhefte, DIN A4 Blatt in Form eines Briefbogens. Die Ausgabe entstand aus der Idee, dass auch Asche Informationen der verbrannten Ausgaben enthält.


Stille stört / an diesem Heft mitgewirkt haben: Peter Krabbe, Ami Vogel, Rainer Resch, Martin Pickers, Wilfried Resch, Nicolaus Milow, F. M. Rohm, Eusebius Wirdeier, Uli Eichhorn, Christoph Reckhaus, Jogi Prauss, Susanne, Joe Zimmermann, Ruth Jäger. - Köln : [s.n.], [1987]. - [14] Bl. : überw. Ill. . - (Normal Nr. 6).

Signatur: 4° D2-Res 104/40 Rarissima

Die konventionellste Ausgabe mit dem politischsten Inhalt. Der Umschlag sollte durch die braunrote Farbe die Vorstreichfarbe der gusseisernen Kreuze auf den Friedhöfen simulieren. Auch diese Ausgabe wurde durch Anzeigen finanziert.

 

Normal Nr. 7 : [das Badewannenheft] / Beitr. von: Jo Zimmermann, Uli Eichhorn, Eusebius Wirdeier, Angelika Kiel, Carla Götze, Rainer Resch, Peter Krabbe, E. J. Weber. Köln : [s.n.], [1988]. - [1] Bl. : Ill. . - (Normal ; 7)
Blatt eingeschweißt in durchsichtige Folie

Signatur: 4° D2-Res 104/40 Rarissima

Die Idee dahinter: ein Leser der ersten Ausgabe beschwerte sich, man könne das Heft wegen seiner Länge nicht in der Badewanne lesen. Einer der Beteiligten hatte zu Hause ein Folienschweißgerät und so kam eins zum anderen.


Normal Extrablatt. - Köln : [s.n.], [1988?]. - [1] Bl. : Ill. . - (Normal ; Extrablatt).

Signatur: 4° D2-Res 104/40 Rarissima

Peter Krabbe und einige andere wollten eine politische aktuelle Ausgabe. Es erschienen zwei Blätter.