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Zum
Thema der Tagung erschien
Band 28 der
Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München.
Die Tagung widmet sich der Klosterkultur in Altbayern im 18. Jahrhundert und
versucht, künstlerische Strategien im Spektrum zwischen höfischer
Repräsentation und aufgeklärter Nützlichkeit herauszuarbeiten. Anlass für
die Veranstaltung sind bauhistorische und restauratorische Untersuchungen
des Klosters Raitenhaslach, die kürzlich nach Erwerb durch die Stadt
Burghausen von der TU München durchgeführt wurden.
Das älteste
altbayerische Zisterzienserstift Raitenhaslach bei Burghausen (1146
gegründet), ein landständisches Prälatenkloster, ist ein seit der
Säkularisation bemerkenswert gut erhaltenes architektonisches Ensemble. Seit
1694 wurde es in mehreren Etappen im Verlauf des 18. Jahrhunderts umfassend
modernisiert und erweitert: 1694-98 Umbau der mittelalterlichen Kirche und
erste barocke Ausstattung, 1737-39 Rokoko-Ausstattung, ab 1751 Prälatur und
Kirchenfassade, 1764/65 Festsaal und Wallfahrtskirche Marienberg, 1777-80
Konvent, 1782-85 Bibliothek.
Neben
regionalen Kräften wie dem Trostberger Architekten Franz Alois Mayr kamen
wiederholt überregional bedeutende Wanderkünstler zum Einsatz, so Johann
Michael Rottmayr, Johann Baptist Zimmermann, Peter Jakob Horemans, Johann
und Januarius Zick. Ihre Tätigkeit in Raitenhaslach belegt die Verbindungen
des Klosters zum Münchner Hof, zum Erzstift Salzburg sowie zu benachbarten
bzw. befreundeten Abteien.
Die
kurbayerischen Prälatenklöster unterlagen der Aufsicht des „Geistlichen
Rats“ in München, einer landesfürstlichen Zentralbehörde, die Einfluss auch
auf die Bau- und Kunstpolitik der Konvente nahm. In ihren künstlerischen
Strategien sollten die Konvente durch zwei Mandate des „Geistlichen Rats“
direkt oder indirekt gelenkt werden: die Empfehlung der „italiänischen“
Manier (1720) und das rationalistisch argumentierende „Simplizitätsmandat“
(1770). Diese Direktiven bedeuteten die Propagierung eines repräsentativen
Stils sakraler Magnifizenz einerseits sowie dessen offizielle Rücknahme und
Distanzierung von „lächerlichen Zieraten“ andererseits. Sie formulieren
nicht nur den Paradigmenwechsel der bayerischen Kirchenpolitik zwischen
Konfessionalisierung und Aufklärung, sondern lassen sich, entsprechend
differenziert, ebenso als Rahmen auf die gesamte süddeutsch-österreichische
Klosterkultur im 18. Jahrhundert beziehen, von der Phase ihrer
gegenreformatorischen Selbstbehauptung und Stabilisierung bis zur Öffnung
gegenüber einer rationalistischen Wissenskultur vor dem Horizont aufgeklärt
absolutistischer Nützlichkeitserwartungen.
In diesem
Kontext ist die Frage nach den sozialen, ökonomischen, politischen,
künstlerischen und kulturellen Beziehungen der Abtei Raitenhaslach in
verschiedenen Netzwerken exemplarisch zu erörten: Raitenhaslach eignet sich
hervorragend als Ausgangspunkt eines regionalen und überregionalen
Vergleichs in der für die süddeutsche Kunst- und Kulturgeschichte zentralen
Epoche des späten Ancien Régime.
Konzeption
der Tagung:
Hans Lange, Lehrstuhl für Theorie und Geschichte von Architektur,
Kunst und Design der Technischen Universität München
Iris Lauterbach, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
Freitag, 24. Juli 2009
Ort: Zentralinstitut für Kunstgeschichte
10.00 Uhr
Begrüßung
10.15 Uhr
Peter Hersche (Bern)
Warum gab es außerhalb des süddeutsch-österreichisch-schweizerischen Raums
keine "Klosterschlösser"?
10.45 Uhr
Franz Matsche (Bischberg)
Alter und Pracht. Die Konkurrenz der Klöster in Altbayern
11.15 Uhr
Diskussion
11.45 Uhr
Kathrin Müller (München)
Von Cîteaux nach Raitenhaslach. Zisterziensische Ordensverfassung und
bayerischer Barock
12.15 Uhr
Sibylle Appuhn-Radtke (München)
Reliquien, Stifter, Ordenslob. Die Ehrenpforten zur Feier des 600-jährigen
Ordensjubiläums in Raitenhaslach (1698)
12.45 Uhr
Diskussion, anschließend Mittagspause
14.30
Erwin Emmerling (München)
Ehemaliges Kloster Raitenhaslach - Bestandsdokumentation der Anlage und
Raumbuch
15.00 Uhr
Peter Heinrich Jahn (München)
Invention statt Norm - architektonische Concetti in der
frühneuzeitlich-monastischen Baukultur Altbayerns
15.30 Uhr
Diskussion und Pause
16.30 Uhr
Hans Lange (München)
Erst die Kirche dann der Konvent oder umgekehrt? - Planungs- und
Baustrategien im süddeutschen Klosterbau des 18. Jahrhunderts
17.00 Uhr
Diskussion
18.15
Uhr
= Abendvortrag =
Bernd Roeck (Zürich)
Die Architektur des Spätbarock in Süddeutschland: Wirtschaftshistorische
Perspektiven

Samstag, 25. Juli 2009
8.00 Uhr
Abfahrt mit Reisebus ab Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Meiserstraße 10
Ankunft Kloster Raitenhaslach circa 10.15 Uhr
Rundgänge über
das Klostergelände und Begehungen der Kirche, der Klostergebäude
(Prälatenstock mit Festsaal und Abtskapelle) und der Wallfahrtskirche
Marienberg:
Wolfgang
Hopfgartner (Burghausen): Historische Einführung
Erwin Emmerling und Studenten des Lehrstuhls für Restaurierung,
Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft der TU München:
Untersuchungen und neue Befunde
Paul Huber (München): Die Hauptfassade der ehemaligen Klosterkirche - Neue
Erkenntnisse im Vorfeld baulicher Instandsetzungsarbeiten
Iris Lauterbach (München): Außenanlagen und Garten
Sowie mit:
Rainer Barthel, Lehrstuhl für Tragwerksplanung
Dietrich Fink, Lehrstuhl für Integriertes Bauen
Gerhard Hausladen, Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik
Manfred Schuller, Lehrstuhl für Baugeschichte, Historische Bauforschung und
Denkmalpflege
Alle TU München
11.00 bis
12.30 Uhr
Begehungen
12.30 Uhr
Mittagspause im Klostergasthof
13.30 Uhr
Gemeinsamer Spaziergang zur Wallfahrtskirche Marienberg (ca. 2 km)
14.45 Uhr
Busfahrt ab Marienberg zurück zum Kloster
15.00 bis
19.00 Uhr
Begehungen
19.00 Uhr
Klosterwirtschaft, Abendessen und Abschluss
20.30 Uhr
Abfahrt Raitenhaslach (Rückfahrt). An München, Zentralinstitut für
Kunstgeschichte, Meiserstraße, circa 22.30 Uhr
Veranstaltungsorte
Freitag,
24. Juli 2009
Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Meiserstraße 10
8033 München
Vortragssaal, Raum 242
Samstag,
25. Juli 2009
Kloster Raitenhaslach bei Burghausen
8.00 Uhr
Abfahrt mit Reisebus ab Zentralinstitut für Kunstgeschichte
20.30 Uhr Rückfahrt ab Raitenhaslach , an München circa 22.30 Uhr
Transfer München - Burghausen - München (einfach circa 90 km) nur für
angemeldete Teilnehmer der Tagung (15 € pro Person für Hin- und Rückfahrt).
Die Anmeldefrist für den Bustransfer endet am 3. Juli 2009.
Anmeldung
Verbindliche
Anmeldungen für die Tagung erbitten wir unter
klosterkultur@zikg.eu
Tel. 089/289-27562
Bitte geben
Sie an, ob Sie den Transfer von München nach Burghausen und
zurück in Anspruch nehmen wollen.
Die Anmeldefrist für den Bustransfer endete am 3. Juli 2009.
Information:
Dr. Iris Lauterbach
Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Tel. 089/289-27562
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