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Forschungsreferat und Stipendiatenbetreuung - Stipendiaten


Judith Rauser, M.A.

Vita

2001-2009 Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Allgemeinen Rhetorik an den Universitäten Tübingen, Basel und Hamburg. Abschluss mit einer Magisterarbeit über Adolph Menzels ‚Rüstkammerphantasien‘, ausgezeichnet mit dem Preis der Freunde und Förderer des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg als beste Magisterarbeit des Jahres 2009. Seit 2009 Promotion zum Thema Körper in Eisen. Die Rüstung als Thema der Bildenden Kunst (Arbeitstitel).


Forschungsprojekt (Dissertation)

Körper in Eisen. Die Rüstung als Thema der Bildenden Kunst

Rüstungen allerorten – doch wer wollte sich um 1900 mit einem solch antiquierten Objekt bekleiden, und gegen welche Gefahren könnte das schwerfällige Artefakt den modernen, dynamischen Körper noch schützen? Gegenstand des Promotionsprojekts ist die Rüstung in den Bildkünsten von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre, denn zwischen der zweiten Phase der Industrialisierung und dem Vorabend des Faschismus ist in der europäischen Bildproduktion ein gehäuftes Auftreten von Rüstungsdarstellungen zu beobachten. Mit dem Absterben der Bezüge zum ursprünglichen Gebrauch, aber ohne aus dem kulturellen Gedächtnis zu verschwinden, wurde das Rüstungsmotiv durch Malerei, Skulptur, Fotografie und Film für zeitgenössische Fragen und Probleme reaktiviert. Den wegen ihres vermeintlichen Anachronismus kaum beachteten Sujets setzt das Promotionsvorhaben neue Ansätze entgegen: Die Funktion der Rüstung als Motiv und Metapher soll unter dem Vorzeichen ihrer materialen und phänomenologischen Eigenschaften untersucht und in geistes-, sozial-, kultur-, wissenschafts- und technikgeschichtlichen Phänomenen verankert werden. Denn statt bloß nostalgischer, gegenwartsfremder Rückwärtsgewandtheit zwischen Militarismus und Nippes birgt die Rüstung eine metaphorische Dimension, die in den Umwälzungen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts an Aktualität gewinnt.

Da sich die sinnbildlichen Qualitäten der Rüstung nicht alleine über die ikonographischen Traditionen erschließen, bilden die Fragen nach dem Verhältnis der Rüstung zum menschlichen Körper und der Semantik ihres Materials  den wesentlichen Zugang. Die Rüstung entspricht einer in hoher Handwerkskunst gefertigten, eisernen Hülle und zweiten, undurchdringlichen Haut des Menschen. Sie verbirgt den Körper unter einer künstlichen Außengrenze und bewahrt zugleich dessen individuelle Physis in dauerhaft-skulpturaler Gestalt. Ihr Material Eisen, gleichsam „Urstoff“ der Industrialisierung, rückt sie mit den Eigenschaften Kälte, Glanz und Glätte in ein mit Modernität und Technik konnotiertes Feld, in dem die Optimierbarkeit und Künstlichkeit des Menschen, seine Zurüstung für oder Panzerung gegen die Erfordernisse der Moderne auf den Plan treten. Die Rüstung besitzt also ein Transformationspotential zwischen Mensch und Artefakt, Vergangenheit und Zukunft, handwerklicher Herstellung und technoider Anmutung. Ihr Einsatz in den Bildkünsten bietet daher vielfältige Anknüpfungspunkte nicht nur für Heldenideale, sondern auch für moderne und utopische Körperbilder, Modelle des Sozialverhaltens oder Geschlechterkodierungen, die jeweils anhand exemplarischer Beispiele erschlossen werden. 

Kontakt über Dr. Iris Lauterbach

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Letzte Änderung: 12.05.2010