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Wolf Tegethoff, MünchenZu Daumiers sogenanntem Essener Ecce HomoVortrag am 23. Mai 2007, 18 Uhr c.t. Das große Ecce Homo aus der ehemaligen Sammlung Osthaus im Essener Museum Folkwang zählt zu den bedeutendsten Ölgemälden des zeitlebens nahezu ausschließlich durch seine beißenden Karikaturen bekannten Honoré Daumier. Angesichts der distanzierten und bestenfalls indifferenten Einstellung des Künstlers zu Religion und Amtskirche überrascht die offenbar eigenständig und ohne Auftraggeber getroffene Wahl des Bildthemas, auch wenn dies erwartungsgemäß keineswegs frei von ethisch-politischen Untertönen erfolgte. Die Lesart wird indes in hohem Maße durch die nicht authentische Bezeichnung als „Ecce homo“ vorgegeben, die, wie zu zeigen sein wird, einer text- und bildkritischen Überprüfung letztlich nicht standzuhalten vermag. Mit der abschließenden Deutung aber zerrinnt zugleich die unterstellte Diskrepanz zwischen kritisch engagierter Zeitzeugenschaft und rein künstlerisch motivierter Orientierung, die in Daumier den zwar begabten doch damit zwangsläufig auch gleichermaßen unpolitisch-harmlosen Mitläufer des Impressionismus herauszustellen sucht. Prof. Dr. Wolf Tegethoff |
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