Tolnai: Die Kunstpatronage der Familie Roverella

Projektbeschreibung

Die Familie Roverella aus Ferrara brachte in der zweiten Hälfte des Quattrocento bedeutende Förderer der Künste hervor: Drei Brüder, allesamt hohe kirchliche Würdenträger, beschäftigten Künstler wie den Maler Cosmè Tura, den Architekten Biagio Rossetti und den Bildhauer Antonio Rossellino:
Bartolomeo Roverella (1406-1476), der älteste Bruder, war seit 1446 Erzbischof von Ravenna und wurde 1461 zum Kardinal von San Clemente, Rom ernannt. Lorenzo Roverella (gest. 1474) hatte seit 1460 das Amt des Bischofs von Ferrara inne. Er war Leibarzt und enger Vertrauter von Papst Pius II. Niccolò Roverella (gest. 1479) machte als Mönch Karriere. Er wurde 1464 Abt des Olivetanerklosters San Giorgio fuori le Mura in Ferrara und amtierte von 1472 bis 1478 als Ordensgeneral der Olivetaner.

Cosmè Turas Flügel der ferraresischen Kathedralorgel (1469) gehören ebenso zu Aufträgen der Roverella wie sein sogenannter Roverella-Altar in San Giorgio, Ferrara. Nach dem Tod Lorenzo Roverellas hatten die hinterbliebenen Brüder begonnen, San Giorgio umzugestalten. Als Stiftungen entstanden zunächst der Roverella-Altar und das von den Bildhauern Antonio Rossellino und Ambrogio da Milano geschaffene Grabmal Lorenzos im Chor der Klosterkirche. Anschließend wurden ein Altarbild und ein steinernes Antependium für die beiden neben dem Chor gelegenen Seitenkapellen in Auftrag gegeben. Gleichzeitig förderten die Brüder die Erneuerung des Konvents und die Errichtung des Campanile. Die Baumaßnahmen werden dem Architekten Biagio Rossetti zugeschrieben. Von ihm stammt auch der Entwurf für den Familienpalast in Rovigo, dem Ursprungsort der Familie, den Bartolomeo Roverella ab 1474 errichten ließ. Im selben Jahr veranlasste Bartolomeo die Umwandlung des Klosters San Bartolomeo in Rovigo, das ihm als Kommende unterstellt war, in ein Olivetanerkonvent. Wieder wurde der Architekt Rossetti beauftragt.

In Rom richtete sich Bartolomeo Roverellas Kunstpatronage hauptsächlich auf seine Titelkirche San Clemente. Er gab Erneuerungen im mittelalterlichen Konventsgebäude in Auftrag und ließ im Presbyterium der Kirche eine Johannes dem Täufer geweihte Kapelle errichten.

Die Kunstaufträge der Roverella wurden bisher keiner zusammenfassenden und vergleichenden Untersuchung unterzogen. Die Analyse einzelner Werke hat gezeigt, dass die Familie Kunstwerke neben ihrer memorialen und repräsentativen Funktion auch gezielt als Medien der politischen Stellungnahme einsetzte. Ziel der Arbeit ist es, die von den Brüdern in Auftrag gegebenen Werke zu identifizieren, ggf. zu rekonstruieren und zu analysieren. All dies soll unter besonderer Beachtung der familiären und sozialen, historischen und politischen Prämissen erfolgen, unter denen diese Aufträge entstanden sind. Neben Ferrara muss dabei besonders Rom, der wichtigste Aufenthaltsort vor allem Bartolomeos und Lorenzos, berücksichtigt werden. Unterschiede und Parallelen zwischen der Repräsentation in Rom und Ferrara sollen herausgearbeitet werden.

Ziel dieses auf Quellenstudium und werkimmanente Interpretation gestützten Projektes ist es, einen Beitrag zur Erforschung geistlicher Eliten in der italienischen Frührenaissance und ihrer Selbstinszenierung im päpstlichen Rom und in ihrer Heimatregion zu leisten.

Kontakt

Prof. Dr. Iris Lauterbach

Projektmitarbeiter ZI

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