Quaeitzsch: Festkultur und Bühnenbild im 17. Jahrhundert in Frankreich. Wahrnehmungen ephemerer Kunst

Projektbeschreibung

Das Fest und seine Rolle innerhalb der frühneuzeitlichen Herrscherrepräsentation bilden schon seit einiger Zeit einen Interessenschwerpunkt sowohl soziologischer als auch historischer und kunstgeschichtlicher Forschung. Darin nehmen kulturgeschichtliche Studien zu den gut dokumentierten Festveranstaltungen am Hofe des Sonnenkönigs einen bedeutenden Platz ein: In den oft mehrtägigen Gartenfeiern in Versailles, in phantasievollen Ballets de Cour oder prunkvollen Opernaufführungen fanden programmatische Herrscherpositionen des französischen Monarchen immer aufs Neue plastischen Ausdruck.

Gegenüber dieser Erkenntnis blieb die Frage, ob und wie diese Veranstaltungen ihr Ziel, die Zeitgenossen zu überzeugen und zur Unterstützung des Regimes zu bewegen, tatsächlich erreichten, bisher letztlich unbeantwortet. Wie wurden die Ereignisse auf den unterschiedlichen Stufen zeitlicher, räumlicher und sozialer Distanz tatsächlich wahrgenommen? Welche Gruppen bildeten das  jeweilige Publikum und welche Bezugspunkte steuerten seine Rezeption?

Im Mittelpunkt der interdisziplinär angelegten Untersuchung stehen die gut dokumentierten höfischen Feiern der ersten Regierungshälfte Ludwigs XIV. sowie die Opern J.-B. Lullys, die die bevorzugte Unterhaltungsform des Hofes in den 70er und 80er Jahre darstellten und zu der auch das städtische Publikum in den parallel ablaufenden Aufführungen der Pariser Académie Royale de Musique Zugang besaß. Anhand ausgewählter Veranstaltungen soll die Rezeption der vergänglichen Festkunst, die in der Kombination aus Dekoration und den performativen Akten der Teilnehmer entstand, nachgezeichnet werden. Dabei werden vertieft die Bühnenbilder und Theatermaschinerien der Tragédie lyrique und ihrer Vorläufer in die kunstgeschichtliche Forschung einbezogen, denn in Form und Funktion der beweglichen und agierenden Machines konkretisiert sich das schwer fassbare Phänomen des Ephemeren. Seine Wahrnehmung durch Theoretiker, Betrachter und Akteure soll auf diese Weise rekonstruiert werden.

Fest- und Theaterkunst erweisen sich als tief in Colberts Kulturpolitik eingebunden: Repräsentationsspezialisten aus dem Umkreis der Surintendance des Bâtiments wie Perrault und Chapelain entwarfen die den Veranstaltungen zugrunde liegenden Konzepte, die von den Ateliers der Hofkünstler Le Brun und Berain oder dem Theaterfachmann Vigarani in ephemere Dekorationsfolgen umgesetzt wurden. Diese wurden in den nachträglichen Publikationen des Historiographe du Roi André Felibien einem breiteren Publikum zugänglich gemacht und im Einzelfall durch gestochene Darstellungen ergänzt. In der Übertragung in Sprache und Bild versuchte man so, die vergängliche Festkunst vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Arbeit untersucht sowohl die Wahrnehmung der Veranstaltungen durch unterschiedliche Publikumsgruppen als auch ihre nachhaltige Wirkung durch eine nachträgliche Rezeption, die man durch die Gestaltung der bewahrenden Medien zu steuern suchte. Hier verbindet sich die Erforschung einer ganzheitlichen Festkunst mit der des Medientransfers. Dies erlaubt, die Frage zu beantworten, welche Auswirkungen verschiedene Bewahrungsformen für die Repräsentationsfunktionen von Feier und dramatischer Vorführung besaßen.

Präziser als auf anderen künstlerischen Feldern lässt sich so in der intentionalen Ausstattungskunst der Feier und in den Formen ihrer Bewahrung Wesen und Wandel von Bildpolitik in einer Schwellenzeit wie der zweiten Hälfte des 17. Jh. verfolgen.

Kontakt

Prof. Dr. Iris Lauterbach

Projektmitarbeiter ZI

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