Teget-Welz: Gregor Erhart, ein Augsburger Bildschnitzer der Frührenaissance

Projektbeschreibung

Das Forschungsprojekt ist der wissenschaftlichen Erschließung von Leben und Werk Gregor Erharts gewidmet, der 1494 von Ulm nach Augsburg übersiedelte und dort zu einem der führenden Meister der Dürerzeit für plastische Bildwerke avancierte. Zusammen mit seinem Schwager Adolf Daucher fertigte Meister Gregor bis 1498 den Frühmessaltar für St. Ulrich und Afra sowie 1502 unter weiterer Beteiligung Hans Holbeins d. Ä. den Hochaltar für das Zisterzienserstift Kaisheim. Erhalten blieben zwei überlebensgroße Figuren der Mondsichelmadonna, die den Kernbestand des heutigen Gregor-Erhart-Oeuvres bilden und als Ausgangsbasis für alle weiteren Zuschreibungen heranzuziehen sind. Ein durchdachtes Kompositionsgerüst, raumgreifende Körperlichkeit sowie sensible Materialbehandlung kennzeichnen die Skulpturen. Wichtige Zuschreibungen an Gregor Erhart sind das Marmordenkmal für den hl. Willibald im Eichstätter Dom, eine Schutzmantelmadonna in Frauenstein sowie eine allansichtig gestalteten Maria Magdalena im Pariser Louvre.

Nach Vorarbeiten von Wilhelm Vöge (1909) und Julius Baum (1911) verfasste Gertrud Otto (1943) die bislang einzige Monographie zu Gregor Erhart. Ottos Arbeit war im Wesentlichen auf eine rein kennerschaftliche Fragestellung ausgerichtet und gilt heute in weiten Teilen als überholt, da u. a. Gregors Geburtsdatum zu früh angesetzt und infolgedessen zahlreiche Arbeiten falsch zugeschrieben wurden. Folglich besteht aktueller Mangel an einer grundlegenden Untersuchung zu einem zeitlebens hoch gerühmten Künstler der Frührenaissance nördlich der Alpen und einer darauf aufbauenden Würdigung dessen Beitrag zur Entwicklung der Skulptur im frühen16. Jh. Dieses Desiderat macht es zudem schwierig, die Leistung jener Meister angemessen zu beurteilen, die zeitgleich mit Gregor Erhart in Augsburg arbeiteten oder – wie im Fall Hans Dauchers – sogar aus dessen persönlichem Umfeld kamen. Ziel des Forschungsvorhabens ist daher die Erstellung einer wissenschaftlichen Monographie zu Gregor Erhart mit Darstellung des Werdegangs, Werkprofils und der künstlerischen Entwicklung sowie mit einem kritischen Katalog und Quellenedition. Die methodische Herangehensweise soll neben Formanalyse und ikonographischen Studien ferner ökonomische, sozial-politische sowie konfessionelle Betrachtungspunkte umfassen.

Kontakt

Prof. Dr. Iris Lauterbach

Projektmitarbeiter ZI

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