Heinemann: Spätmittelalterliche Kapellenstiftungen und ihre Ausstattungen in Ober- und Mittelitalien mit dem Schwerpunkt auf Florenz, Padua und Bologna

Projektbeschreibung

Private Kapellen, die ihren Stiftern – seien dies religiöse oder weltliche Gruppen oder Einzelpersonen – das liturgische Gedenken und die Fürbitte der Nachwelt sichern sollten, waren gerade in den im Mittelalter prosperierenden Stadtstaaten Mittel- und Oberitaliens zahlreich anzutreffen. Als liturgisch selbständige Räume waren die Kapellen mit einer eigenen Altar- und Kaplaneistiftung versehen und konnten ihren Patronen über Generationen hinweg als Grabstätte dienen. Die künstlerischen Ausstattungen boten Raum zu individueller Selbstdarstellung und leisteten damit einen entscheidenden Beitrag, das Ansehen der Verstorbenen und damit auch ihrer lebenden Verwandten zu steigern, aber auch die Gebete der Kirchenbesucher zu evozieren. Gerade der glückliche Umstand, dass in Italien eine außerordentliche Menge an Ausstattungsensembles unverfälscht und in unvergleichlicher Qualität überliefert wurde, erlaubt es, die mit verschiedenen Bildmedien arbeitenden Kunstwerke als zentrale Quellen und wichtige Zeugnisse der visuellen Inszenierung des Stiftergedächtnisses heranzuziehen.

Trotz des Materialreichtums und der damit einhergehenden Tatsache, dass ein großer Teil der künstlerischen Produktion im Mittelalter überhaupt auf solche privaten Stiftungen zurückgeht, wurde die Entwicklung des Phänomens der mittelalterlichen italienischen Privatkapelle bislang in keiner Weise systematisch und im überregionalen Vergleich untersucht. Im Rahmen des hier vorgestellten Forschungsprojekts ist daher beabsichtigt, den Stellenwert der Stiftungsform der Privatkapellen im 13. und 14. Jahrhundert in unterschiedlichen städtischen Gesellschaften und die rechtlichen Voraussetzungen ihrer Entstehung an verschiedenen Kirchenformen (Mendikantenkirchen und Bischofskirchen, Pilgerkirchen, städtische Bauten) darzustellen und zu vergleichen.

Die Kapellenstiftungen in Florenz werden aufgrund der Materialfülle, der zum Teil sehr frühen Entstehungszeit und der Relevanz für das Phänomen Ausgangspunkt des Vergleichs sein, jedoch soll der für diese Stadt verfügbare Kenntnisstand um neue Analysen von seltener untersuchten Kapellengründungen innerhalb der Stadt und vor allem in weiteren, repräsentativen italienischen Stadtstaaten, insbesondere in Padua und Bologna, erweitert werden. Diese Städte wurden vor allem aufgrund ihrer unterschiedlichen Regierungsform, Sakraltopographie und gesellschaftlichen Zusammensetzung (Auftraggeberschicht) ausgewählt. Anhand von exemplarischen Kapellen sollen die rechtlichen Voraussetzungen der Entstehung von Privatkapellen, die vertraglichen Umstände, auf denen eine Stiftung basierte, die jeweilige Art der Finanzierung, die Bereitstellung von Kapellenraum und die daraus resultierenden Baukonzepte, die Nutzung und Zugänglichkeit der Räume, die unterschiedliche Einflussnahme aller Beteiligten und vor allem die künstlerischen Ausstattungsprogramme der Kapellen untersucht werden.

Kontakt

Prof. Dr. Iris Lauterbach

Projektmitarbeiter ZI

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