Koch: Das künstlerische Werk Rachel Whitereads. Untersuchung zur Negation des Raumes

Projektbeschreibung

Rachel Whiteread (*1963) entwickelt in ihren Skulpturen ein Inventar des privaten und des öffentlichen Lebens, ein Universum menschlicher Aktivitäten, Rituale und Ereignisse. Ihre Werke materialisieren den unsichtbaren Umgebungsraum vertrauter Objekte und architektonischer Formen und stellen der Welt in ihrem Überschuss an Zeichen ein künstlerisches Konzept entgegen, das einzelne Künstler zwar umkreist, jedoch nie stringent verfolgt haben und das in der kunsthistorischen Forschung bisher unberücksichtigt blieb.

Gegenstand des Dissertationsvorhabens ist es deshalb, das Oeuvre der Künstlerin im Kontext der Skulpturgeschichte des 20. Jahrhunderts zu verorten und es übergreifend zeichen-, raum- und wahrnehmungstheoretisch auf ein umfassendes, analytisches Fundament zu stellen. Werkkomplexe anderer moderner wie zeitgenössischer Künstler werden dazu exemplarisch als ‚Gegenkonzepte’ herangezogen und im Diskurs von Fragilität, Stabilität und ‚Hülle’ in Beziehung gesetzt – wie etwa jene des Österreichers Christian Sery, dessen Kautschukummantelungen von Räumen Architektur und Skulptur miteinander verschmelzen lassen.

Aspekte der materiellen Transformation, der Absenz von Dingen, der Oberfläche, der Spur und des Abdrucks fließen in die Forschungen ein, denn sie prädestinieren das Phänomen der skulpturale Negation des Raumes für die Anreicherung mit Geschichtlichkeit sowie für eine Aktualisierung von Erinnerung. Anhand von Whitereads Holocaust- Mahnmal (1995/2000) am Wiener Judenplatz soll die singuläre Eignung des skulpturalen Konzeptes für Materialisierung und Konstituierung des kollektiven Gedächtnisses hinterfragt werden. Weitere Arbeitsschwerpunkte werden sein: Inwiefern lassen sich Umkodierungen mit Hilfe der Negation des Raumes finden und wie ermöglicht diese Offenheit neue Darstellungsmöglichkeiten? Wie und wodurch werden existentielle Fragen, bspw. die Auseinandersetzung mit Tod, Zerstörung, historische Ereignisse in den Werken Whitereads bzw. der zeitgenössischen Kunst umgesetzt? Inwieweit findet das Konzept der Skulptur als Negation des Raumes neben Künstlern wie Marcel Duchamp, Bruce Nauman, Joseph Beuys in der zeitgenössischen Kunst seine Anwendung und Fortführung? Mit welchen Anreicherungen variieren und politisieren international beachtete Künstler (Doris Salcedo u.a.) dieses Konzept der Negation des Raumes? Schließlich soll ebenso nach kongenialen Parallelen dieses skulpturalen Entwurfs in anderen künstlerischen Feldern gefragt werden, wobei Werke aus Fotografie, Grafik, Malerei und Videokunst des 20. und 21. Jahrhunderts exemplarisch zu untersuchen sind.

Kontakt

Prof. Dr. Iris Lauterbach

Projektmitarbeiter ZI

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