Scheschonk: Leiblichkeit und Formbildungsprozesse in athletischen Selbstentwürfen von KünstlerInnen

In diesem Forschungsvorhaben werden Überblendungen von KünstlerInnen- und SportlerInnen-Körper in der Moderne in den Blick genommen. Auf welche Weisen Bewegungsformen, Körpertechniken und Körperbilder des Sportes durch KünstlerInnen sowohl in künstlerischem Werk als auch in Selbstinszenierung eingespeist und dort reflektiert werden, ist dabei eine Leitfrage. Parallele, überdauernde Narrative finden sich etwa in biografischen Polarisierungen von einerseits Potenzial, Begabung, Ingenium, Kampfeslust (agon) und andererseits Übung, Lehre, Meisterschaft, Trainingsdisziplin (askesis).

Thomas Eakins, Joseph Beuys, Matthew Barney oder etwa Jeff Koons sind Beispiele dafür, wie in männlich künstlerischer Aneignung spezifische leibliche Zeichen der Virilität, physischer Potenz, des Agons mimetisch nachvollzogen oder reflektierend umkodiert werden. In materiellen Äußerungen wird dabei die metaphorische oder ideelle Annäherung vor allem von Leistungssport und Kunst in der Moderne überschritten und Kunstgenese auch als agiler spieltaktischer Angriffszug oder agonales Kräftemessen geschildert. Gerade seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind Strategien von KünstlerInnen vielfältig, durch die der eigene Leib zum Austragungsort für sich durchkreuzende Formbildungsprozesse der Kunstproduktion und athletischer Betätigung gemacht wird. Doch wie wird diese selbstbestimmte, körperliche Aktivität von anderen KünstlerInnen-Körpern, die durch die Trias von race, class, gender als triebgesteuertes, versehrtes oder passives Fleisch aus fitter Körperlichkeit und ihrem Decorum ausgeschlossen sind, angeeignet oder parodiert? Die vergleichende Analyse von Positionen der somatischen, physiologischen Aneignung des Sportlerkörpers könnte auch zur Debatte um eine Ausdifferenzierung künstlerischer Bezugsmodelle beitragen.

Projektmitarbeiter ZI

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