Sommer: Spätgotische Flügelaltäre in Mitteldeutschland - Erfurt, Leipzig, Stendal

Projektbeschreibung

Den Gegenstand des Forschungsvorhabens bildet eine Gruppe von Schnitzereien und Gemälde vereinigenden Flügelaltären aus Pfarr- und Klosterkirchen der im 15. Jh. größten Städte Thüringens, Sachsens und der Mark Brandenburg. An der Herstellung der Retabel, darunter der Erfurter Regleraltar, der Leipziger Paulineraltar und der Stendaler Marienaltar, war nach stilkritischer Einschätzung der Forschung ein- und dieselbe Schnitzerwerkstatt beteiligt.

Die hervorragende Stellung, die den Werken unter den Flügelaltären des 15. Jahrhunderts im mitteldeutschen Raum zukommt, ergibt sich neben ihrer künstlerischen Qualität aus ihrem kulturgeschichtlichen Zeugniswert. Es hat sich mit ihnen in den ,Stammlanden der Reformation‘ ein Ensemble erhalten, das in ansehnlicher Vielfalt zum Studium kirchlichen und städtischen Lebens im Spätmittelalter einlädt. Heiligenverehrung und Liturgie, Bestrebungen der Ordensreform oder Zeremonien bei der Ratswahl seien als assoziierbare Stichworte genannt. Als in solcherlei Zusammenhänge ihrer Entstehungszeit eingebunden, sind die Retabel durch die bisherige Forschung nur unzureichend untersucht worden. Die Erhellung der Funktionen, welche die Altäre in ihrem jeweiligen Ursprungskontext wahrnahmen, ist für ihr Verständnis jedoch unerlässlich, denn die die Form und den ikonographischen Inhalt vereinigende Individualität der Werke resultiert auch aus den an sie gestellten Nutzungsanforderungen. Der Hinweis, dass die Wandelbarkeit der Retabel auf wechselnde liturgische Erfordernisse abgestimmt sei, wird in der Forschung zwar genannt, jedoch kaum näher ausgeführt und mit den Bedingungen der Gemeinschaften verknüpft, die die Retabel ursprünglich nutzten. Dies führt zu Unschärfen und Irrtümern bei der Deutung der Bildprogramme. Hier Abhilfe zu schaffen, ist ein Schwerpunkt des Forschungsvorhabens. Daneben soll die Forschung zu den an der Retabelherstellung beteiligten Künstlern und ihrer Arbeitsweise vorangetrieben werden, wobei die im Rahmen neuerer Restaurierungen dokumentierten Befunde zu berücksichtigen sind.

Als Quellen für die Rekonstruktion des ursprünglichen kulturellen Umfeldes der Werke bieten sich Archivalien an, die über die zur Entstehungszeit der Retabel in den Kirchen ansässigen Gemeinschaften Auskunft geben. Ferner haben sich mittelalterliche Buch- und Handschriftenbestände der Kloster-/Pfarrbibliotheken erhalten, bzw. lässt sich auf den Gebrauch bestimmter Texte zurückschließen, die bei der Interpretation der Altäre zu beachten sind. Neben Text- können Bildquellen zur Erfassung ikonographischer Traditionen fruchtbar gemacht werden. Mit dem methodischen Zugriff, der neben dem bisher vorrangig genutzten Instrument der Stilkritik unter anderem funktionsgeschichtliche und ikonographische Fragestellungen einbezieht, zielt das Vorhaben darauf ab, die Forschung zur spätmittelalterlichen Altarkunst in Mitteldeutschland um wichtige Perspektiven zu bereichern.

Kontakt

Prof. Dr. Iris Lauterbach

Projektmitarbeiter ZI

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