Vortrag Ulrich Müller

Termindetails

Wann

22.06.2005
von 19:15 bis 21:15

Art

Mittwochsvortrag

Wo

Deutsches Museum, Museumsinsel 1, 80538 München, Ehrensaal

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Albert Einstein und die künstlerische Avantgarde (In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum)

Theo von Doesburg, Mitglied der niederländischen Künstlervereinigung De Stijl und Herausgeber der gleichnamigen Kunstzeitschrift, veröffentlichte im Februar 1922 einen Vortrag mit dem Titel "Der Wille zum Stil". Dort setzte er sich erstmals mit der Relativitätstheorie Einsteins auseinander und wirkte damit überaus anregend auf eine Vielzahl von Künstlern in seiner Umgebung. Sein Interesse an der Theorie Einsteins galt vornehmlich ihren Ergebnissen, etwa der erschlossenen Einheit von Raum und Zeit oder auch der Folgerung vom energetischen Charakter der Materie. Das Interesse des Künstlers lässt sich nur aus den spezifischen Formen seines Denkens erklären. In der Zusammenführung von Raum und Zeit erblickte er eine bezwingende Synthese der zuvor fundamental geschiedenen Realitäten, die sich bruchlos in die Struktur antagonistischer Größen, um die sein Denken kreiste, einreihen ließen. Aus der konstatierten Union von Raum und Zeit folgerte er, dass die Bestimmungen der klassizistischen Kunsttheorie, wonach Poesie und Musik nur in der Zeit, die bildenden Künste dagegen nur im Raum existierten, nicht aufrecht zu erhalten seien. Sollte das Kunstwerk mit der erkannten vierdimensionalen Wirklichkeit der theoretischen Physik in Einklang stehen, musste der Künstler nach Wegen suchen, seinem Werk die Zeitdimension zu erschließen. Damit entfernte er sich von Einstein, dessen weitgehend unverstandene Theorie die Künstler gleichwohl herausforderte, den überkommenen Kunstbegriff zu revidieren.

PD Dr. Ulrich Müller
Studium der Garten- und Landschaftsarchitektur, 1982 Dipl.-Ing., anschließend Studium der Kunstgeschichte an der FU Berlin und der Universität Hamburg mit den Nebenfächern Klassische Archäologie, Philosophie und Soziologie, 1996 Promotion an der FU Berlin ("Klassischer Geschmack und Gotische Tugend: Der englische Landsitz Rousham"), 2002 Habilitation im Fach Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ("Raum, Bewegung und Zeit im Werk von Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe"); seit 2003 Dozent am Kunsthistorischen Seminar der Friedrich-Schiller-Universität Jena, WS 2003/04 Vertretung des Lehrstuhls von Prof. Dr. Werner Busch an der FU Berlin

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