Vortrag Ute Engel

Termindetails

Wann

18.06.2008
von 18:15 bis 20:15

Art

Mittwochsvortrag

Wo

Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Vortragsraum 242, II. OG, Katharina-von-Bora-Straße 10, 80333 München

Termin übernehmen

Der bayerische Barock als Konstrukt der deutschen Kunstgeschichte, 1850-1950

Bayerischer Barock oder bayerisches Rokoko: Unter verschiedenen Begriffen wird die Kunst des 18. Jahrhunderts in Bayern bis heute subsumiert. Lange außerhalb Bayerns kaum bekannt, begann die Erforschung des bayerischen Barocks erst in den 1890er Jahren. Schon ab den 1850er Jahren wurden seine Volkstümlichkeit und Verbundenheit mit einem bäuerlichen, ländlichen Wesen betont. Daraus entwickelte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Interpretation der barocken Kunst in Bayern als Ausdruck des bayerischen Stammescharakters, angeblich geprägt von Lebensfreude, Natürlichkeit, Phantasie und Frömmigkeit. Ausländische Künstler seien in Bayern „eingedeutscht“ worden – ein Thema, das in der NS-Zeit seinen Höhepunkt hatte. Die Vorstellung, dass der internationale Barock im bayerischen Rokoko seinen Gipfel erreichte, wurde jedoch schon in den 1920er Jahren formuliert. Im ‚Dritten Reich’ schwelgte man in mystisch aufgeladenen Raum-Licht-Interpretationen. Die Nachkriegszeit sah im bayerischen Barock dann ein Vorbild gesellschaftlicher Ordnung und einer zu erneuernden Religiosität. Den Verlauf dieses Forschungsdiskurses zwischen ca. 1850 und 1950 will der Vortrag vorstellen und bis heute prominente Autoren wie Adolf Feulner, Hugo Schnell oder Norbert Lieb in ihrem historischen Kontext verorten.

Dr. Ute Engel
Studium der Kunstgeschichte, Germanistik, Buchwissenschaft und Geschichte in Mainz und München. 1993 Promotion mit einer Arbeit über die Kathedrale von Worcester. 1994-96 wiss. Angestellte, 1997-98, 2002-2007 wiss. Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Mainz. Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes, 2004/05 Stipendium für Wissenschaftlerinnen in der Forschung des Landes Rheinland-Pfalz. Das Habilitationsprojekt „Barockforschung. Der deutsche Barock, die deutsche Kunstgeschichte und die Frage der nationalen Identität, ca. 1850-1950“, steht vor dem Abschluß. Seit 2007 Mitarbeit an der Konzeption eines Sonderforschungsbereiches „Welterbe Oberes Mittelrheintal. Bausteine für eine Theorie der Kulturlandschaft“.

Subnavigation

Navigation