Workshop Jacek Purchla

Termindetails

Wann

05.05.2015
von 17:00 bis 18:30

Art

Workshop

Wo

Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek, I. OG, Raum 137, Katharina-von-Bora-Straße 10, 80333 München

Termin übernehmen

"Ungewolltes" Erbe – die polnische Erfahrung

Mitteleuropa ist ein Bereich des Kontinents, in dem das Problem eines ungewollten Erbes eine besondere Bedeutung besitzt, aufgrund einer besonderen Erfahrung der Völker Mitteleuropas im 20. Jahrhundert. Denn hier änderten sich die politischen Grenzen viel schneller als die kulturellen; auch hier fand der Holocaust statt, und hier haben die beiden Totalitarismen – der Nationalsozialismus und der Kommunismus – ihre unauslöschlichen Spuren hinterlassen. Die polnische Erfahrung mit dem ungewollten Erbe fokussiert wie in einem Brennglas all diese Kapitel der Tragödie des 20. Jahrhunderts und ist darüber hinaus um die Geschichte eines Volkes reicher, das über das ganze 19. Jahrhundert hinweg ohne eigenen Staat lebte.

Das Ausmaß dieses Problems wie auch seine Komplexität bedürfen heute der systematischen Bearbeitung. Dabei ist dieses Problem außerordentlich aktuell. Die Frage: „Wegschaffen oder lassen?“ betrifft nicht nur das, was im Gebiet des heutigen Polens das „Dritte Reich” und die stalinistische Zeit hinterlassen haben, sondern, eigentlich, im breiteren Sinne, den gesamten Nachlass der Volksrepublik Polen. Sie bezieht sich sowohl auf das materielle als auch auf das immaterielle Erbe.

Heute, dank der zeitlichen Distanz, können wir ohne Emotion darüber diskutieren, weil die seinerzeit verständliche und vermutlich notwendige Etappe des Niederreißens von aufgezwungenen Denkmälern vorbei ist. Es lässt sich jedoch nicht ignorieren, dass wir im Gebiet des heutigen Polens sowohl mit einem – auf Hitler oder Stalin zurückgehenden – „Hass-Erbe” als auch mit einem ungewollten „fremden“ Erbe zu tun haben, zugleich auch mit einem Erbe ohne die Erben und mit einem Erbe von Enterbten.

Die Frage dieses „heiklen“ Erbes wurde in der Zeit des Kommunismus aus verständlichen Gründen außer Acht gelassen oder marginalisiert. Heute ist das Problem reif für eine gründliche Forschung. Dies bezieht sich ebenfalls auf unsere deutsch-polnische Nachbarschaft.

Subnavigation

Navigation