Symposium: 200 Jahre Kunstgeschichte in München


Internationales Symposium, 7. bis 9. Juni 2001
Künstlerhaus am Lenbachplatz

Veranstaltet vom Institut für Kunstgeschichte der Universität München und vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte

Die Anfänge der wissenschaftlichen Kunstgeschichte liegen in der Aufklärung, als die historische Forschung europaweit neue Wege ging. Eine entwicklungsgeschichtlich entscheidende Rolle kommt dabei Deutschland zu, wo unter dem Einfluß des Historismus sich eine Kunstgeschichtsschreibung herausbildete, die sich von den Normen der Antike verabschiedet hatte.

Insbesondere zwei Zentren sind hier zu nennen: Berlin, das im Anschluß an Hegel wichtige Anstöße lieferte und wo 1844 das erste kunsthistorische Ordinariat eingerichtet wurde, sowie München, das bereits lange vor der Stiftung eines Lehrstuhls (1909) eine Reihe von Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet entfaltete. Hier wäre vor allem die Sammeltätigkeit für Ludwig I. zu nennen.

Das vom Kunsthistorischen Institut der Ludwig Maximilians-Universität in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte veranstaltete Kolloquium untersucht Strukturen, Methoden und Persönlichkeiten die für die Entwicklung des Fachs in München seit dem späten 18. Jahrhundert bestimmend waren.

Dabei wird die Geschichte des Kunsthistorischen Instituts der LMU im Mittelpunkt stehen. Ein besonderer Akzent liegt auf der Zeit des Nationalsozialismus, in der namhafte Vertreter des Fachs wie Wilhelm Pinder und Hans Jantzen hier lehrten, nachdem viele bedeutendere Kollegen bereits aus Deutschland vertrieben worden waren. 1951 übernahm das Münchner Ordinariat der über das Fach hinaus bekanntgewordene Hans Sedlmayr, dem sein gebrochenes Verhältnis zur Moderne einen vorurteilsfreien Blick auf die zeitgenössische Kunst erschwerte.

So soll das Kolloquium auch den Streit um die Moderne nachzeichnen, der in der Auseinandersetzung um Joseph Beuys in den frühen achtziger Jahren gipfelte. Erst seit dieser Zeit ist hier jener offene Umgang mit der Avantgarde zu verzeichnen, von dem, wie wir meinen, nicht zuletzt die Universitätskunstgeschichte profitieren kann. 


Programm

Donnerstag, 7. Juni

14.00 Uhr
Hubertus Kohle (München): Einführung

14.15 Uhr
Steffi Roettgen (München): Bayerische Kunsttopographie im 18. Jahrhundert

14.50 Uhr
Robert Stalla (München): Das Landshuter "Institut der bildenden Künste" unter der Leitung von Simon Klotz

15.25 Uhr
Diskussion

15.45 Uhr
Kaffeepause

16.00 Uhr
Henrik Karge (Dresden): Das "Kunstblatt" Ludwig Schorns als Forum der frühen deutschen Kunstgeschichtsschreibung

16.35 Uhr
Karin Hellwig (München): Ernst Förster und die Künstlerbiographik im 19.Jahrhundert als Methode

17.10 Uhr
Annemarie Menke-Schwinghammer (München): Zwischen Propädeutik und Fachwissenschaft - die Lehrtätigkeit von Moritz Carrière an Universität und Akademie

17.45 Uhr
Diskussion


Freitag, 8. Juni

9.00 Uhr
Frank Büttner (München): Das Paradigma "Einfühlung" bei Robert Vischer, Heinrich Wölfflin und Wilhelm Worringer. Die problematische Karriere einer kunsttheoretischen Fragestellung.

9.35 Uhr
Heinrich Dilly (Halle-Wittenberg): Der Internationale Kunsthistorikertag von 1908 in München 

10.00 Uhr
Diskussion

10.25 Uhr
Kaffeepause

10.40 Uhr
Nikolaus Meier (Basel): Heinrich Wölfflin in München 

11.15 Uhr
Teresa Posada Kubissa (Madrid): August L. Mayer: ein Hispanist an der Alten Pinakothek

11.50 Uhr
Diskussion

14.00 Uhr
Karen Michels (Hamburg): Nord-Süd-Konflikte. München-Hamburg in den zwanziger und dreißiger Jahren. 

14.35 Uhr
Marlite Halbertsma (Rotterdam): Wilhelm Pinder und das Problem der Generation in der Kunstgeschichte Europas

15.10 Uhr
Diskussion

15.45 Uhr
Kaffeepause

16.00 Uhr
Jutta Held (Osnabrück): Hans Jantzen in München (1935-1945)

16.35 Uhr
Ulrike Wendland (Zürich): Im Nationalsozialismus verfolgte und vertriebene Münchner Kunsthistoriker

17.10 Uhr
Iris Lauterbach (München): Die Gründung der Zentralinstituts für Kunstgeschichte 

17.45 Uhr
Diskussion


Samstag, 9. Juni

9.00 Uhr
Willibald Sauerländer (München): Warum ein Jantzenschüler 1951 gegen die Berufung von Hans Sedlmayr agitierte.

9.35 Uhr
Reinhard Steiner (Stuttgart): Experiment und Epiphanie. Anmerkungen zum tachystoskopischen Experiment in Hans Sedlmayrs Aufsatz: Pieter Brueghel: Der Sturz der Blinden 

10.10 Uhr
Hans Körner (Düsseldorf): Hans Sedlmayr 

10.45 Uhr
Diskussion

11.25 Uhr
Kaffeepause

11.45 Uhr
Thomas Lersch (München): Franz Roh

12.20 Uhr
Barbara Lange (Leipzig ): Zeige Deine Wunde - der Streit um die Installation von Joseph Beuys

12.55 Uhr
Diskussion

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