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Bildergalerie ehem. „Verwaltungsbau der NSDAP“
Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte hat seit 1948 seinen Sitz in einem historischen Gebäude am Königsplatz, dem ehemaligen „Verwaltungsbau der NSDAP“.

Mit dem Kauf des künftigen „Braunen Hauses“ tat die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) 1930 den ersten Schritt zum Ausbau eines Parteiviertels am Königsplatz. Von Frühjahr 1933 an gingen mehr als fünfzig Gebäude entlang der Brienner Straße, Arcisstraße, Gabelsbergerstraße, Barer Straße und Karlstraße sowie angrenzender Straßen in den Besitz der NSDAP über. Sie wurden entweder abgerissen, um Platz für Neubauten zu machen, so etwa das Palais Pringsheim, oder für die zahlreichen Dienststellen der Parteiorganisationen genutzt.

Die Umgestaltung des Königsplatzes mit den angrenzenden Neubauten war das erste große Bauprojekt der Nationalsozialisten. Die 1933/34 entstandenen Entwürfe des Architekten Paul Ludwig Troost (1878-1934) wurden von 1934 an durch das „Atelier Troost“ realisiert. Mit dem 1937 eingeweihten „Führerbau“ (heute: Hochschule für Musik und Theater München), dem im selben Jahr bezogenen „Verwaltungsbau der NSDAP“ (heute: Zentralinstitut für Kunstgeschichte und andere Kultureinrichtungen) und den beiden am 8./9. November 1935 eingeweihten „Ehrentempeln“ am östlichen Platzabschluss sowie der Neugestaltung des Königsplatzes entstand ein monumentales Forum der Bürokratie und des Kults. Partei und Staat manifestierten so architektonisch ihren Machtanspruch in der „Hauptstadt der Bewegung“.

Der massive städtebauliche Eingriff veränderte das Erscheinungsbild der klassizistischen Platzanlage radikal. Seit seiner Entstehung war der Königsplatz ein Versammlungsort, bevorzugt für politische Gruppierungen des rechten Spektrums. Die Nationalsozialisten setzten die Tradition des Orts in ihrem Sinne fort: Bereits am 10. Mai 1933 veranstalteten sie hier eine Bücherverbrennung. Sie machten den Platz zum Zentrum ihrer Aufmärsche und ihres alljährlich zelebrierten pseudo-religiösen Totenkults: Am 9. November 1935 wurden die „Blutzeugen“ des 1923 gescheiterten Hitler-Putschs in Sarkophagen in die „Ehrentempel“ überführt; der nun alljährlich zelebrierte „Letzte Appell“ endete in einem lauten „Hier“ der Menge als Willensbekundung, in der Nachfolge der „Märtyrer der Bewegung“ bis zum Tod für die NS-Bewegung zu kämpfen.

Während der „Verwaltungsbau“ bis Kriegsende der Parteiadministration diente, verlagerten sich die repräsentativen Funktionen des „Führerbaus“ bereits im Laufe der 1930er Jahre in die Reichskanzlei in Berlin sowie in Hitlers „Residenz“ am Obersalzberg. Der einzige weltpolitisch bedeutende Vorgang, in dem der „Führerbau“ eine Rolle spielte, war Ende September 1938 die Unterzeichnung des „Münchner Abkommens“ zur Abtretung des Sudentenlandes durch die Tschechoslowakei.

Die nationalsozialistische Propaganda stilisierte die Architektur der Parteibauten in der „Hauptstadt der Bewegung“ zum mustergültigen Vorbild. Vergleichbar sollte das gleichzeitig, seit 1933 in Dachau, nordöstlich Münchens, errichtete erste Konzentrationslager zum Modell späterer nationalsozialistischer Vernichtungslager werden.

Nach 1945 nutzte die US-Militärregierung die kaum beschädigten Großbauten zunächst als „Central Art Collecting Point“, als Sammelstelle für die NS-Beutekunst. Später wurden beide Gebäude kulturellen Institutionen überlassen.

Die Pfeiler der „Ehrentempel“ wurden 1947 gesprengt, ihre Sockel 1956/57 bepflanzt. Die überwucherten Sockel der „Ehrentempel“ sind ebenso wie der ehemalige „Führerbau“ und der „Verwaltungsbau der NSDAP“ als Einzelmonumente in der Denkmalliste verzeichnet. 1988 wurde der Plattenbelag des Königsplatzes entfernt und die Platzfläche wiederbegrünt.

Der Straßenname des Gebäudes mit der Hausnummer 10 hat sich mehrfach geändert: Arcisstraße, Meiserstraße, Katharina-von-Bora-Straße. Ein bis zur Kreuzung mit der Brienner Straße reichender Teilabschnitt der ursprünglich beim Alten Botanischen Garten beginnenden Arcisstraße war 1957 in Meiserstraße umbenannt worden. Seit Frühjahr 2010 trägt dieser Straßenabschnitt den Namen Katharina-von-Bora-Straße.

2015 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft des Zentralinstituts für Kunstgeschichte am Standort des „Braunen Hauses“ an der Brienner Straße das NS-Dokumentationszentrum München eröffnet.

Öffentliche Führungen zur Geschichte des NSDAP-Parteizentrums

Historische Filme zur Geschichte des NSDAP-Parteizentrums

Weiterführende Literatur (Auswahl):

Ulrike Grammbitter und Iris Lauterbach: Das Parteizentrum der NSDAP in München, hg. vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Berlin München 2009 (zweite, aktualisierte Auflage 2015); The NSDAP Centre in Munich, Berlin München 2015