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Forschungsprojekt des ZI ermöglicht Restitution zweier NS-verfolgungsbedingt entzogener Gemälde aus der Sammlung der jüdischen Familie Rosenthal

Mit den Ergebnissen des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekts „Rekonstruktion der privaten Kunstsammlung von Jacques, Emma und Erwin Rosenthal“ leistete das ZI einen wesentlichen Beitrag zur Restitution zweier NS-verfolgungsbedingt entzogener Gemälde an die rechtmäßigen Erben der jüdischen Familie Rosenthal.

Am 16. Juni 2026 restituierten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (BStGS) das 1833 entstandene Gemälde „Bildnis eines jungen Mannes“ von Friedrich von Amerling (18031887) an die Erben nach Jacques Rosenthal. Die BStGS hatten das Werk 1936 vom Kunsthändler Julius Böhler erworben, der es zuvor von Jacques (18541937) und Emma (1857—1941) Rosenthal in Kommission genommen hatte. Bereits vor Projektbeginn hatte die Provenienzforscherin Franziska Eschenbach 2016 die BStGS über die Provenienz des Werks informiert; 2020 veröffentlichte das Museum das Werk auf Lost Art. Weitere Forschungen der BStGS in Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt „Rekonstruktion der privaten Kunstsammlung von Jacques, Emma und Erwin Rosenthal“ (Laufzeit: 20202025) am ZI konnten belegen, dass das Gemälde infolge der wirtschaftlichen Notlage und der Verfolgungssituation der Familie weit unter seinem tatsächlichen Wert verkauft worden war.

Am 19. Juni 2026 gab das Ludwig Roselius Museum in Bremen die Erwerbung des Gemäldes Aufbruch der Heiligen Ursula (Anonym, um 1520) bekannt. Das Werk befindet sich seit rund 90 Jahren in der Bremer Sammlung, seine Herkunft blieb jedoch lange ungeklärt.

Erst durch die Forschungen des ZI zur Sammlung Rosenthal konnte die Provenienz des Gemäldes rekonstruiert und dessen Entzug unter NS-Verfolgungsdruck nachgewiesen werden. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wurde das Gemälde 2024 an die Nachfahren von Jacques, Emma und Erwin Rosenthal restituiert. Nun wurde eine Lösung gefunden, die den Verbleib des Werks in Bremen ermöglicht. Der Ankauf durch das Ludwig Roselius Museum wurde durch die Kulturstiftung der Länder, die Stadt Bremen sowie eine private Unterstützerin gefördert.


Die beiden Fälle verdeutlichen die Bedeutung langfristiger, institutionsübergreifender Provenienzforschung. Sie zeigen, wie wissenschaftliche Forschung am ZI zur Aufklärung von NS-verfolgungsbedingtem Kulturgutentzug beiträgt und die Grundlage für gerechte und faire Lösungen im Umgang mit belasteten Sammlungsbeständen schaffen kann. Zugleich macht das Projekt deutlich, welches Potenzial der innovative Einsatz von Methoden und Instrumenten der Digital Humanities für die Rekonstruktion komplexer Sammlungs- und Provenienzzusammenhänge sowie die Erforschung historischer Netzwerke bietet.

 

Franziska Eschenbach berichtete projektbegleitend auf unserem Blog ZI Spotlight  Hier geht es zu den Blogbeiträgen. >>