Sozialistisches Bewusstsein und transregionale Verflechtungen – Internationale Fotoausstellungen in der DDR
Von offizieller Seite wurde in der DDR das Medium Fotografie oft als Instrument gesellschaftlicher Bewusstseinsbildung verstanden: Fotografie sollte dokumentieren, aufklären, mobilisieren und zur Formung und Festigung einer sozialistischen Gesinnung beitragen. Internationale Fotoausstellungen boten hierfür ein besonderes Forum, da sie über die Grenzen der DDR hinaus wirkten und die internationale Teilnahme von Fotograf*innen aus dem sozialistischen wie auch – in begrenztem Maße – aus dem kapitalistischen Ausland ermöglichten. Sie dienten zugleich der Förderung des kulturellen Austauschs und der Kulturdiplomatie, indem sie die DDR als Akteurin im internationalen sozialistischen Kulturraum sichtbar machten und Netzwerke jenseits der eigenen Landesgrenzen etablierten.
Das Forschungsprojekt setzt sich mit dieser Verbindung von fotografischer Praxis, institutioneller Organisation und kulturpolitischer Strategie auseinander. Im Zentrum steht die Geschichte der BIFOTA, die zwischen 1958 und 1989 neunmal in der DDR stattfand und sich zur einer der bedeutendsten regelmäßig ausgetragenen Fotoausstellung des Landes sowie zu einem der größten internationalen Fotofestivals im sozialistischen Kulturraum entwickelte. Das Projekt analysiert, welche Sujets und Formensprachen die BIFOTA in den verschiedenen Jahrzehnten prägten, welches Fotografieverständnis dabei propagiert wurde und wie diese ästhetischen und institutionellen Praktiken in die umfassenderen kulturellen und politischen Setzungen der DDR während des Kalten Krieges eingebettet waren.
[Abbildung: Rudolf Hesse, Eröffnung der der 1. Internationalen Fotoausstellung in Berlin (bifota), 12.4.1958, Bundesarchiv]