Das Auge des Zeichners. Kunst und Wahrnehmung um 1600
Das Projekt fragt nach den kulturgeschichtlichen Voraussetzungen für diese Entwicklung und nimmt dabei die Gattung der Zeichnung in den Blick. Es verknüpft die drei Bereiche des Connoisseurships, der Phänomenologie der Zeichnung als materielles Konstrukt und der Zeichnung als Träger von Evidenz epistemischer Visualisierungen miteinander und macht sie für die ästhetische Auseinandersetzung im frühen 17. Jahrhundert fruchtbar. Der wichtigste Aspekt meiner Arbeit gilt dabei der Frage nach der Interaktion von Wahrnehmung, visueller Imagination und produktiver Umsetzung. Wenn Wahrnehmung als eine Bewusstseinsweise beschrieben wurde, die auf den sinnlichen Kontakt mit Bildformen angewiesen ist und sich in der Zeichnung als kognitive Konstruktion materialisiert, so öffnet sich hier ein Fragenkreis, der in das Zentrum der zeichnerischen Produktion im 17. Jahrhundert führt und gleichzeitig wesentliche Gesichtspunkte der aktuellen Kunstgeschichtsforschung an der Schnittstelle zur Bildwissenschaft betrifft. Das Projekt versteht sich als eine Kulturgeschichte der Zeichnung im 17. Jahrhundert in Italien und hat zum Ziel, an die aktuellen Forschungsfragen zur modernen Zeichnung anzuschließen. Es schließt somit eine wesentliche Lücke in der Kunstgeschichtsforschung und beantwortet die gerade in heutiger Zeit relevanten Fragen nach dem Status visueller Kreativität und bildlicher Konzeption. Die Vorgehensweise ist dabei an historischen Quellen orientiert. Ziel ist es, die grundlegende Bedeutung der Gattung Zeichnung zur Generierung von Wissen und Erkenntnis im frühen 17. Jahrhundert in Italien aufzuzeigen und die kulturhistorischen Interferenzen, die das Zeichnen mit zeitgenössischen ästhetischen, philosophischen und graphologischen Diskursen aufweist, sichtbar zu machen.
Laufzeit (am ZI):
Bis 2020