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Dr. Alessia Marzo

Preisträgerin des Forschungspreises Angewandte Kunst 2021




Abteilung/en: Forschung
Gruppe/n: Preisträger

Vita

  • Januar-Dezember 2021| Post-doc-Sipendiatin an der Universität Turin, Italien, zum Thema: „Miniature rivelate. Studio e valorizzazione dei manoscritti e delle miniature ritagliate del Museo Civico d’Arte Antica di Torino“
  • Oktober 2016-Juli 2020| Promotion an der Universität Turin, Italien (Betreuer Prof. Fabrizio Crivello, Promotionsabschluss mit Auszeichnung), zum Thema: „La miniature sotto cristallo di rocca. Origine, diffusione e sviluppi (secoli XII-XV)“
  • Seit 2019| „Cultore della materia“ für mittelalterliche Kunstgeschichte und Geschichte der Buchmalerei an der Universität Turin, Italien
  • September 2013-Juli 2016| Studium der mittelalterlichen Kunstgeschichte an der Universität Turin, Italien, mit Schwerpunkt mittelalterliche Buchmalerei und Goldschmiedekunst (Betreuer Prof. Fabrizio Crivello, Masterabschluss mit Auszeichnung).
  • September 2009-April 2013| Studium der mittelalterlichen Kunstgeschichte an der Universität Turin, Italien (Bachelor-Abschluss)

Publikationen

  • Alle origini della miniatura sotto cristallo. Prime riflessioni, In: Akten der internationalen Tagung (Universität Lausanne, 22-24 Oktober 2020), in Vorbereitung
  • Falsi e pastiche. Considerazioni su un gruppo di legature medievali del XIX secolo, In: Authenticity Studies, 1 (2021), in Vorbereitung
  • Rezension zu: Art et économie en France et en Italie au XIVe siècle. Prix, valeurs, carriers, Hg. von Nicolas Bock, Michele Tomasi, Études de lettres, 314 (4/2020), In: Studi Medievali, III. S., LXII.1 (2021), S. 297-301
  • Non solo smalti. Miniature sotto cristallo nell’oreficeria parigina del XIV secolo, In: Predella. Journal of Visual Arts, 48 (2020), S. 109-120
  • Henricus vivus in ere. Il ritratto a smalto di Enrico di Blois, In: Intorno al ritratto. Origini, sviluppi e trasformazioni. Studi a margine del saggio di Enrico Castelnuovo, Il significato pittorico del ritratto nella società (1973), Hg. von. Fabrizio Crivello, Laura Zamparo, Torino 2019, S. 115-120
  • Tracce di una tavola senese a Torino. La lunetta affrescata del convento di San Domenico, In: Iconographica, 17 (2018), S. 94-103
  • Sull’origine dello stile di Manerius. Il contributo del Commento ai Salmi del canonico e magister Cotta di Vercelli, In: Rivista di Storia della Miniatura, 21 (2017), S. 17-26
  • Wiss. Mitarbeiterin an der Übersetzung von Scot McKendrick, Kathleen Doyle, L’arte della Bibbia. Manoscritti miniati del Medioevo, Torino 2016

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Dr. Alessia Marzo über ihre mit dem Forschungspreis Angewandte Kunst 2021 prämierte Dissertation „La miniatura sotto cristallo di rocca. Origine, diffusione e sviluppi (secoli XII-XV)“

Die Technik der Miniaturmalerei unter Bergkristall ist bisher nur teilweise bekannt. Bisher hat sich die Forschung besonders auf die venezianische Produktion konzentriert (Ende 13. Jh.-erste Hälfte 14. Jh.), die aus einer ansehnlichen und homogenen Werkgruppe besteht. Nur wenige Beiträge haben sich mit den romanischen Ursprüngen der Technik und ihrer Verbreitung in Europa zwischen 13. und 15. Jahrhundert beschäftigt. Eine systematische Untersuchung der mittelalterlichen Zeugnisse fehlt noch.
Ziel des Dissertationsprojektes war es daher, eine Bestandaufnahme der mittelalterlichen Miniaturen unter Bergkristall von ihrem Erscheinen, um die Mitte des 12. Jahrhunderts, bis zum Ende des Mittelalters durchzuführen. Zu diesem Zweck wurde ein Katalog von Werken mit Miniaturen unter Bergkristall erstellt. Diese wurden sowohl unter dem Gesichtspunkt des Stils der Miniaturen als auch der Goldschmiedekunst analysiert, ebenso wurde der Ursprung der Technik und ihr Platz innerhalb der Hierarchie der künstlerischen Techniken des Mittelalters betrachtet. Die traditionelle Theorie, dass Miniaturen unter Kristall ein billigerer Ersatz für byzantinisches Zellenschmelz (Cloisonné email) war, wurde diskutiert.
Anhand von technischen und stilistischen Beobachtungen konnte eine Geschichte der künstlerischen Produktion von Miniaturen unter Bergkristall erstellt und eine erste Produktion zwischen Rhein, Maas und Niedersachsen identifiziert werden, die zwischen der Mitte des 12. und dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts erfolgte und die die bekanntere Produktion in Venedig (Ende des 13. – erste des Hälfte 14. Jh.) beeinflusst haben könnte. In der Zeit zwischen dem Ende des 13. und dem späten 15. Jahrhundert scheint die Produktion von Miniaturen unter Bergkristall durch sporadische, aber wichtige Zeugnisse gekennzeichnet zu sein, die in verschiedenen europäischen Regionen hergestellt wurden. Dazu gehören Werken aus Prag (Ende des 13. und Anfang des 14. Jh.), deren Miniaturmalerei den Künstlern zugeordnet werden können, die die Handschriften für die zweite Gemahlin Wenzels II., Elisabeth Richeza von Polen, ausschmückten; eine Gruppe aus Siena (Mitte 14. Jh.), die Miniaturen unter Bergkristall und Basse-Taille Emaillen kombinieren; und schließlich Pariser Belege, die für die frühen Herrscher des Hauses Valois hergestellt wurden. Die Technik wird immer noch im 15. Jahrhundert in Paris, in Italien – wo einige Gruppen in den heutigen Regionen Lombardei und Aostatal auftauchen – und sporadisch in anderen Teilen Europas und vielleicht in Flandern praktiziert.

[Abbildung: Reliquienanhänger des Heiligen Dorns, Paris, 1330-1340. London, The British Museum, Inv-Nr. 1902,0210.1 © The Trustees of the British Museum (licence CC BY-NC-SA 4.0)]