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Dr. Friederike Sigler

Preisträgerin des Jutta-Held-Preises 2022




Gruppe/n: Preisträger

Vita

  • seit 2022 | Mitverantwortliche Projektleitung, DFG-Projekt Putzen, Kochen, Sorgen. Care-Arbeit in der Kunst in West- und Osteuropa, den USA und Lateinamerika seit 1960, gemeinsam mit Prof. Dr. Änne Söll und Tonia Andresen M.A., Ruhr-Universität Bochum
  • seit 2020 | Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kunstgeschichtliches Institut, Ruhr-Universität Bochum
  • 2019 | Promotion, Titel: Arbeit sichtbar machen. Strategien und Ziele sozialkritischer Kunst seit 1970, Gutachter:innen: Prof. Dr. Dietmar Rübel, Prof. Dr. Angela Matyssek, Hochschule für Bildende Künste Dresden
  • 2014–2019 | Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kunstgeschichte, Hochschule für Bildende Künste Dresden
  • 2014–2015 | Kollegiatin, DFG-Graduiertenkolleg Materialität und Produktion, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • 2012–2014 | Stipendiatin, DFG-Graduiertenkolleg Materialität und Produktion, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • 2005–2010 | Studium mit Schwerpunkt Kunstgeschichte, Philipps-Universität Marburg & Freie Universität Berlin

Ausgewählte Publikationen

 

Bücher | Herausgeberschaften

  • Arbeit sichtbar machen. Strategien und Ziele in der Kunst seit 1970, München: Edition Metzel 2021
  • Hört die Signale! Die HfBK Dresden 1933, Ausst.-Kat., hg. gemeinsam mit Irène Mélix & Studierenden, Dresden: Hochschule für Bildende Künste 2021
  • Work. Documents of Contemporary Art, London, Cambridge, MA: Whitechapel Gallery, MIT Press 2017
  • Streik Magazin, hg. gemeinsam mit Dietmar Rübel, Dresden: Hochschule für Bildende Künste 2016
  • Jaily Mail, Ausst.-Kat.: Tag der offenen Türen. Trakt B, Historisches Gefängnis Meißen, hg. gemeinsam mit Melo Börner, Nadja Kurz & Marten Schech, Meißen 2015

 

Aufsätze

  • „Arbeiterinnenhände. Kunst, Küche und Fabrik in Ost und West“, in: Kathrin Rottmann u.a. (Hg.): Schaffende Hände. Medialisierungen von künstlerischer Arbeit, Bochum 2022 (in Vorbereitung)
  • „Kunst im Visier der Neuen Rechten oder: Auf der Suche nach dem idealen Hofmaler“, in: Christine Hentschel & Stefan Wellgraf (Hg.): Rechtspopulismen der Gegenwart. Kulturwissenschaftliche Irritationen, Leipzig 2022 (in Vorbereitung)
  • „Tout le monde déteste le travail. Über Kunst und Arbeit“, in: Petra Lange-Berndt & Isabelle Lindermann (Hg.): Zwölf Vorträge zu 1968. Von künstlerischen Praktiken und vertrackten Utopien, Bielefeld 2022, 145–164
  • „Arbeit“, in: Timo Skrandies, Bettina Paust (Hg.): Joseph Beuys-Handbuch. Leben, Werk, Wirkung, Stuttgart 2021, 350–355
  • „An Injury to One is an Injury to All. Precarious Labour in Contemporary Art“, in: Annemie Halsema, Katja Kwastek & Roel van den Oever (Hg.): Critical Theory in the Humanities: Resonances of the Work of Judith Butler, Amsterdam: Amsterdam University Press 2021 (Peer-Reviewed)
  • „Kunst und die (Neue) Rechte: Von Todsünden, Männerphantasien und kulturellen Hegemonien“, in: Ausst.-Kat. Gegenwarten, hg. von Florian Matzner und Sarah Sigmund, Chemnitz 2020
  • „The hardest work I have ever done. Über Streikkunst, Lee Lozano und ihre Mitstreiker*innen“, in: Künstlerverbund im Haus der Kunst München (Hg.): Pause, Köln: Walther König 2019, 69–91
  • „Ai Weiwei und die Politik des Lebens“, in: Ausst.-Kat. Ai Weiwei, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2019, 145–152
  • „Nadja Kurz – Evil Matter vs. Nadja Kurz’ Gefährten: ... disgustingly good!“, in: Ausst.-Kat. What Can Be Done to Make Trouble? Eine Frage zeitgenössischer Kunst, Kunstverein Familie
    Montez, hg. von Marten Schech und Christiane Schürkmann, Edition Imorde, Berlin: Reimer Verlag 2017, 52–63; Auszüge in englischer Übersetzung abgedruckt in Seaweed Journal 3, 2018, 212–213
  • „Kuscheln in Athen“, gemeinsam mit Isabelle Lindermann, in: Missy Magazine 3, 2017, 17–19
  • „Harun Farockis Fabriken und eine Insel in Thessaloniki“, in: kritische berichte 3, 2016, 19–26

 

Ausgewählte Vorträge | Gespräche

  • Passive Explosive. Artistic and curatorial protest against the Westkunst-exhibition, Workshop ‚Westkunst. Historiographien der Moderne’, Deutsches Forum für Kunstgeschichte Paris, März 2022
  • Kochen und Können. Re-Skilling in der feministischen Kunst der 1970er Jahre, Workshop ‚Künstlerische Kompetenzen nach Deskilling und Reskilling’, Universität Siegen, Juni 2021
  • Arbeit ausstellen, gemeinsam mit Sabine Kritter, Ringvorlesung ‚Work Matters. Kunst und Arbeitskultur zwischen Differenz und Transfer‘, Kunstgeschichtliches Institut, Ruhr-Universität Bochum, Juni 2021
  • Aufstand aus der Küche. Kunst und Arbeit in den 1970er Jahren, Vortragsreihe des Kunsthistorischen Instituts der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Mai 2021
  • Arbeiterinnenhände. Kunst, Küche und Fabrik, Workshop ‚Schaffende Hände’, Ruhr-Universität Bochum, Dezember 2020
  • Potenziale der Kunst für die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Themen / gesellschaftlichen Wandel, Podiumsdiskussion, Pochen Biennale, Chemnitz, Oktober 2020
  • Anleitungen zum Aufstand. Über das politische Potential von Kunst, Riesa efau. Kultur Forum Dresden / Motorenhalle. Projektzentrum für zeitgenössische Kunst, Februar 2019
  • All that matters is work, „Re:Working Labor”, Institute for Curatorial Research and Practice, SAIC Chicago, School of the Art Institute of Chicago, Oktober 2018
  • La lutte continue! Über Kunststreiks und Streikkunst, „PAUSE (prelude)“, Künstlerverbund im Haus der Kunst München e.V., Haus der Kunst München, Juli 2018
  • Tout le monde déteste le travail. Über Kunst und Arbeit, „Zwölf Vorträge zu 1968. Von künstlerischen Praktiken und vertrackten Utopien“ (Ringvorlesung), Universität Hamburg, Mai 2018
  • Buchpräsentation & Podiumsdiskussion mit Precarious Workers Brigade, Whitechapel Gallery London, November 2017
  • Art Strike / Strike Art, „The Arts of the Present“, Association for the Study of the Arts of the Present (ASAP/9), University of California, Berkeley, Oktober 2017
  • If Maggie gets up your nose picket. On proletarian remnants and revolutionary subjects, „Forming Collectives. Strategien moderner und zeitgenössischer Kunst“, Warburg Studienkurs, Warburg Haus, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg, Oktober 2017
  • An Injury to One is an Injury to All. Precarious Labour in Contemporary Art, „Critical Theory in the Humanities, Resonances of the Work of Judith Butler“, CLUE+ interfaculty research institute for Culture, Cognition, History and Heritage, Vrije Universiteit Amsterdam, April 2017

 

Ausgewählte Tagungen I Workshops | Ausstellungen

  • Kochen, Putzen, Sorgen. Care-Arbeit als globales Thema zeitgenössischer Kunst, Konferenz (gemeinsam mit Änne Söll und Tonia Andresen), Ruhr-Universität Bochum, Mai 2023
  • Zwischen Fließband und Küche. Fotografien von (Care-)Arbeit in DDR und BRD 1960 bis 1990, Workshop (gemeinsam mit Änne Söll, Tonia Andresen und Ludger Derenthal), Museum für Fotografie Berlin, November 2022
  • (Post-)Industrielle Arbeit ausstellen, Veranstaltungsreihe (gemeinsam mit Maria Bremer und Kathrin Rottmann), Ruhrgebiet, April bis Juli 2022
  • Im Osten nichts Neues, Ausstellung (gemeinsam mit Melo Börner und Marten Schech), West Germany, Berlin, Oktober 2021
  • Globale Arbeitswelten in der zeitgenössischen Kunst, Symposium (gemeinsam mit Änne Söll und Tonia Andresen), Ruhr-Universität Bochum, Januar 2021
    REKORD-Kunstkaufhalle, Ausstellung (gemeinsam mit Nadja Kurz und Matti Schulz), ACUD Galerie, Berlin, Oktober 2020
  • Hört die Signale! Die HfBK Dresden 1933, Ausstellung (gemeinsam mit Irène Mélix und Studierenden), Senatssaal, Hochschule für Bildende Künste Dresden, Juli–August 2019
  • Der Kulturbegriff der Neuen Rechten, Vortrag von Carina Book, Hochschule für Bildende Künste Dresden, Juli 2019 (Organisation & Moderation)
  • Organisiert euch! Podiumsdiskussion (gemeinsam mit Katharina Serles), Hochschule für Bildende Künste Dresden, April 2017
  • Streik / Arbeit, Tagung (gemeinsam mit Dietmar Rübel), Hochschule für Bildende Künste Dresden, Januar 2016
    Trakt B: Tag der offenen Türen, Ausstellung (gemeinsam mit Melanie Börner, Nadja Kurz und Marten Schech), Historisches Gefängnis Meißen, September 2015

[Stand April 2022]
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Dr. Friederike Sigler über ihre mit dem Jutta-Held-Preis prämierte Dissertation „Arbeit sichtbar machen. Strategien und Ziele in der Kunst seit 1970":
 
Projekt SiglerSpätestens seit den 1970er Jahren beschäftigen sich Künstler:innen intensiv mit Arbeit und ihren Schattenseiten. Diese kritischen künstlerischen Praktiken wurden in der Kunstgeschichte lange verkannt, weil die Wissenschaft, argumentiert die Studie mit Jutta Held, Arbeit mit der Industriearbeit des 19. Jahrhunderts gleichsetzte. Infolge des Strukturwandels und der auf Basis transnationaler Handelsbeziehungen etablierten neoliberalen Agenda konstituieren sich jedoch neue Arbeitsformen und -verhältnisse, die nicht länger physische Arbeitskraft in Schichtarbeit abverlangen, sondern flexible, subjektivierende und angeblich künstlerische Qualitäten, und deshalb, wie die Kategorie der zeitgenössischen Kunst, entsprechend neue kunsthistorische Analysemethoden erfordern.
Anhand von drei künstlerischen Strategien – Arbeiten, Streiken, Delegieren – untersuche ich in meiner Dissertation, wie Künstler:innen seit den 1970er Jahren Arbeit sichtbar machen: mit welchen thematischen Schwerpunkten, Techniken, Praktiken, Referenzen und in welchen Kontexten. Am Beispiel künstlerischer Positionen von Gustav Metzger über Chantal Akerman bis Santiago Sierra zeige sich, dass Künstler:innen dabei vor allem die prekären Seiten der Arbeitswelt offenlegen, sei es die ungleich verteilte, unsichtbare Care-Arbeit, die Konsequenzen des Verlusts von Arbeit und ihrer identitätsstiftenden Funktion im Zuge der Deindustrialisierung oder die totalisierende Dimension immaterieller Arbeit auf der Basis postkolonialer Politik. Für diese Sichtbarmachung, argumentiere ich, entwickeln die Künstler:innen entlang der jeweiligen Schwerpunkte spezielle Verfahren, mit denen sie zugleich die eigene künstlerische Arbeit reflektieren: als (Kunst-)Arbeiter:innen, als Verbündete, als Frauen, als Mütter, als Sozialkritiker:innen, als Entfremdete, aber auch als diejenigen, die in ihrer Kunst selbst entfremden, managen, delegieren und vorgeben, die besseren, gar idealen Arbeiter:innen im oder jenseits des ‚kreativen Kapitalismus‘ zu sein. Mit dem methodischen Fokus auf der Materialität der Techniken und ihre Situierung innerhalb der Produktionsverhältnisse zeichnet die Dissertation deshalb sowohl die scharfsichtigen Analysen der modernen Arbeitswelt nach als auch die künstlerischen Praktiken, die dazu eingesetzt werden – und formuliert auf diese Weise die von Jutta Held bereits 2005 geäußerte These aus, nach der die „künstlerische Praxis selbst“, gerade, weil sie „innerhalb der fundamentalen Umwertungen und Umschichtungen der Arbeitsbereiche operiert, […] der empirischen Forschung und Theoriebildung in unserer Disziplin weit voraus […]“ ist.

[Abbildung: Margaret Harrison, Kay Fido Hunt, Mary Kelly, Women and Work: A Document on the Division of Labour in Industry, 1975, South London Art Gallery, Ausstellungsansicht [Margaret Iversen, Douglas Crimp, Homi K. Bhabha (Hg.): Mary Kelly, London 1997, 14]]