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Ausstellung // Unschuldige Betrügereien. Reproduktionsgrafik nach Handzeichnungen

Termindetails

Wann

16.02.2023 um 10:00 bis
31.03.2023 um 20:00

Wo

Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Katharina-von-Bora-Straße 10, 80333 München, Lichthof Nord, I. OG

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Die Handzeichnung gilt, insbesondere in Gestalt der schnell hingeworfenen Skizze, als das persönliche Signum eines Künstlers bzw. einer Künstlerin schlechthin. Sie erscheint damit als unwiederholbar. Der Versuch ihrer Vervielfältigung nun stellt eine der großen Unternehmungen und einen Motor technischer Innovationen in der Druckgrafik des 18. Jahrhunderts dar, einer Zeit, in der das theoretische wie sammlerische Interesse an der ‚Zeichnung‘ an Bedeutung gewann.

Aus den Beständen der Graphischen Sammlung der Universität Trier und des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München zeigt die Ausstellung Werke bedeutender Druckgrafiker*innen auf diesem Feld, wie etwa Gilles Demarteau (1722–1776), Cornelis Ploos van Amstel (1726–1798), Francesco Bartolozzi (1727–1815), Per Gustaf Floding (1731–1791), Maria Katharina (1747–1794) und Johann Gottlieb Prestel (1739–1808), Richard Earlom (1743–1822) oder Adam von Bartsch (1757–1821). Die dabei auftretende große Bandbreite druckgrafischer Verfahren lässt den Einfallsreichtum erkennen, der nötig war, um vor der Erfindung der Lithografie 1797/98 die besondere Charakteristik von Handzeichnungen zu imitieren. Mit Radierung, Camaieu-Schnitt, Mezzotinto, Punktiermanier, Crayonmanier, Aquatinta und weiteren, weniger bekannten Verfahren erzielten die Künstler:innen eindrucksvolle augentäuscherische Effekte bis hin zur fast vollständigen Faksimilierung der Originalzeichnung.
Adam von Bartsch, Der Triumph des Mordechai, 1783, Aquatinta und Linienradierung, Graphische Sammlung des Fachs Kunstgeschichte der Universität Trier, Foto: Andreas ThullDie Ausstellung versammelt Blätter aus bedeutenden Mappenwerken nach Handzeichnungen der Zeit, wie etwa dem „Recueil Jullienne“ (1726), den „Prints in Imitation of Drawings“ (1732–1736), den „Disegni originali d‘eccellenti pittori“ (1774–1782), dem „Liber veritatis“ (1777/1819) oder der „Hofbibliothek zu Wien“ (1785) – darunter auch Blätter aus dem Kompendium von Reproduktionsstichen des Radierers Bernard Picart (1673–1733), das 1734 postum unter dem Titel „Impostures innocentes“ (etwa: „Unschuldige Betrügereien“) erschien. Anders als der Titel vermuten lässt, zielte Picart jedoch nicht auf Täuschung. Vielmehr sollten Gemälde und Zeichnungen verschiedener Meister in der Reproduktion dem direkten Vergleich zugänglich gemacht werden. Auf diese Weise begründeten Mappenwerke wie die „Impostures innocentes“ oder der etwa zeitgleich entstandene, ungleich berühmtere „Recueil Crozat“ (1729) ein Publikationsformat, das dem Studium von Malerei und Zeichnung neue Wege ebnete.

Die Ausstellung wirft somit auch Schlaglichter auf die Kunstkennerschaft des 18. Jahrhunderts und ruft einmal mehr in Erinnerung, wie sehr Kennerschaft und Kunsthistoriographie lange Zeit auf Bilder angewiesen waren, für die zwar unisono „Originaltreue“ in Anspruch genommen wurde, die jedoch ihre Vorlagen mitunter recht eigensinnig wiedergaben.

Die Ausstellung wurde konzipiert von Ulrike Keuper in Kooperation mit Stephan Brakensiek, Graphische Sammlung der Universität Trier.

[Abbildung: Adam von Bartsch, Der Triumph des Mordechai (nach Rembrandt), 1783, Aquatinta und Linienradierung, Graphische Sammlung des Fachs Kunstgeschichte der Universität Trier, Foto: Andreas Thull]

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Die Ausstellung ist vom 15. Februar bis 31. März 2023 im Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Katharina-von-Bora-Straße 10, 80333 München, Lichthof Nord, I. OG, zu sehen. Sie ist von Montag bis Freitag 10:00–20:00 Uhr zugänglich.
An Wochenenden und an Feiertagen bleibt die Ausstellung geschlossen.
Der Eintritt ist frei.

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Die Ausstellung wird eröffnet am 15. Februar 2023 mit: Vortrag // Christian Rümelin: Original und Nachahmung. Druckgrafik als Wissenskatalysator im 18. Jahrhundert“