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Panofsky Lecture 2026 // Michele Bacci: Bilder „alla greca“ und die Wahrnehmung zeitlich‑räumlicher Alterität

Termindetails

Wann

08.07.2026
von 18:15 bis 20:00

Wo

Großer Lesesaal der Bibliothek, 1. OG, Katharina-von-Bora-Str. 10, 80333 München + online

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In der Debatte um die sogenannte „maniera greca“, die seit den Anfängen der kunsthistorischen Theoriebildung eine zentrale Rolle gespielt hat, war die Betonung der Asynchronie der von byzantinischen Vorbildern geprägten religiösen Malerei gegenüber einer evolutiven (und teleologischen) Interpretation der Formgeschichte von grundlegender Bedeutung. In unterschiedlicher Weise ist diese Vorstellung bis in die Gegenwart hinein immer wieder in der wissenschaftlichen Diskussion aufgegriffen worden, wobei sie nicht selten die traditionellen vasarianischen Dichotomien durch neue bipolare Deutungsmodelle ersetzte.

Der vorliegende Beitrag befasst sich nicht nur mit den unterschiedlichen Temporalitäten, die durch Bilder „alla greca“ heraufbeschworen wurden, sondern fragt darüber hinaus nach ihrer Fähigkeit, eine spezifische räumliche Dimension aufzurufen, nach den Modalitäten ihrer Wahrnehmung sowie nach dem Ausmaß und dem Zeitpunkt, ab dem ihre visuelle Wirksamkeit mit eben dieser Qualität in Verbindung gebracht wurde. Im Zentrum stehen dabei folgende Fragestellungen: Auf welche Weise und aufgrund welcher historischen und kulturellen Prozesse begannen Formen byzantinischer Provenienz als Indikatoren einer historischen und geografischen Alterität wahrgenommen zu werden? Welche spezifischen Elemente stilistischer, ikonografischer, morphologischer, kompositorischer oder funktionaler Art wurden allmählich als kennzeichnend für diese Alterität interpretiert? In welchem Umfang lässt sich der Einsatz solcher Formen als intentional erkennen und dokumentieren? Welche Ziele sollten durch ihre mehr oder weniger sorgfältige Inszenierung und Imitation erreicht werden?

Ikone der Maria mit dem Jesuskind auf goldenem HintergrundBesonderes Augenmerk gilt dabei der in der Forschung häufig angesprochenen Frage nach der funktionalen Einbindung „griechischer“ Ikonen in den devotionalen Ausdruck, sowie der Weise, in der die formale Kompendiarität als besonders wirksam für die Fokussierung der Aufmerksamkeit des andächtigen Betrachters gelten konnte, sowie den Dynamiken, durch welche die Fähigkeit, auf eine unterschiedliche räumlich kulturelle Dimension zu verweisen, als Träger einer metaphorischen Wirksamkeit wahrgenommen werden konnte, die zur persönlichen Erhebung in eine transzendentale oder göttliche Sphäre beitrug.

Diese Fragen werden in vergleichender Perspektive untersucht, indem die westliche Erfahrung mit „griechischartigen“ Ikonen mit dem Gebrauch von Bildern in „allogenen“ Formen in anderen religiösen Traditionen verglichen wird.

 

Michele Bacci ist Professor für Kunstgeschichte des Mittelalters an der Universität Freiburg (Schweiz) und Mitglied der Academia Europaea. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den künstlerischen und kulturellen Interaktionen im mittelalterlichen Mittelmeerraum sowie auf der Geschichte religiöser Praktiken im Zusammenhang mit Kultobjekten und heiligen Stätten. Zu seinen Publikationen zählen Il pennello dell’Evangelista (1998), Pro remedio animae (2000), Lo spazio dell’anima (2005), San Nicola (2009), The Many Faces of Christ (2014), The Mystic Cave (2017) und Βενετο-βυζαντινές αλληλεπιδράσεις στη ζωγραφική εικόνων (2021). Derzeit koordiniert er das vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Advanced‑Grant‑Projekt Holy Networks.

[Abbildung: Pisaner Meister (...nellus), Madonna mit Kind, um 1220. Pisa, Museo nazionale di San Matteo]

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TEILNAHME:

Die Teilnahme ist kostenlos.
Der Vortrag wird parallel 
via Zoom übertragen. Dem Zoom-Meeting können Sie unter folgendem Link beitreten: https://us02web.zoom.us/meeting/register/3_GZHFrPR-iW7GxPrLQvfw. Das Mitschneiden der Veranstaltung oder von Teilen der Veranstaltung sowie Screenshots sind nicht gestattet. Mit der Teilnahme akzeptieren Sie diese Nutzungsbedingung.

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