Vortrag // Philine Helas: Füreinander entbrannt. Die Feuersteine in der Bestiarienliteratur
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von 18:15 bis 20:00
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„Es gibt Steine, die, wenn sie einander näher kommen, Feuer fangen und alles in Brand setzen, was mit ihnen in Berührung kommt; sie sind aber ihrer Natur nach männlich und weiblich und bleiben weit voneinander entfernt.“ Mit diesen Worten werden die Feuersteine im Physiologus, der im Mittelalter weithin rezipierten frühchristlichen Naturlehre, eingeführt und in seiner Folge in den vor allem in England, Flandern und Frankreich geschaffenen Bestiarien illustriert. Verhandelt wird hier – vom Text her aus der männlichen Perspektive – die Unkontrollierbarkeit des Begehrens, das im Kommentar als Sünde und Gefahr deklariert wird.Der Vortrag setzt sich mit den Illustrationen der Feuersteine in der Bestiarienliteratur zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert auseinander. Das vom Text gestellte Problem, zum einen Mineralien mit einer Geschlechtsidentität zu versehen und zum anderen sexuelle Anziehungskraft zu visualisieren, brachte sehr unterschiedliche Bilder hervor, die sich einerseits mit unbelebter Materialität, andererseits menschlichen Emotionen auseinandersetzen. In den bildenden Künsten dieser Epoche finden sich Darstellungen von Sexualität im weitesten Sinne vor allem in marginalen Bereichen – etwa den romanischen Kapitellen, den Misericordien oder Marginalien der Buchmalerei, sowie den explizit mit der höfischen Minne verbundenen Gegenständen, wie etwa den Minnekästchen. Die Feuersteine sind insofern ein ungewöhnlicher Fall, als die misogyne, negative Deutung des Textes kaum umgesetzt wurde, sondern vielmehr eher einem sublimierten Liebesdiskurs verpflichtete Bilder einer durchaus lustvollen gleichwertigen Paarbeziehung erzeugt wurden.

Dr. Philine Helas ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Bibliothek der Bibliotheca Hertziana, Max Planck-Institut für Kunstgeschichte Rom. Ihre Publikationen beschäftigen sich mit Kunst und Festkultur, Kunst und Kartographie und der Repräsentation von Armut und Armenfürsorge in Italien zwischen Mittelalter und Renaissance, und Tieren in Handschriften zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert.
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