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Workshop // Von der Entdeckung künstlerischer Arbeit zum Paradigma der Infrastruktur: Zur Soziologisierung des Künstlerischen seit 1968

Termindetails

Wann

21.10.2026
von 13:30 bis 20:00

Art

Workshop

Wo

Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Katharina-von-Bora-Str. 10, München, Vortragssaal 242, II. OG

Termin übernehmen

Wie verhält sich die Gegenwartskunst zu ihrer soziologischen Erforschung? Kann sie sich zu dieser überhaupt verhalten und so ihrerseits auf die Theorie und Praxis der Soziologie einwirken? Fragen wie diese stellen sich erst seit etwa einem halben Jahrhundert. Davor sind sich die Disziplinen der Kunst und der (Kunst-)Soziologie weitgehend aus dem Weg gegangen.

Aber mit der Neukonzeptionalisierung künstlerischer Arbeit u.a. als konkretem Beruf von bildenden Künstler*innen – oder auch, allgemeiner und materialistischer, von „Kulturarbeiter*innen“ oder art workers –, setzte etwa seit 1970 eine bis dahin ungekannte Interaktion zwischen künstlerischer und soziologischer Wissensproduktion ein. Insbesondere die Erkenntnis, dass die berufliche Situation unterschiedlicher Akteur*innen im künstlerischen Feld in ihrer ökonomischen und gesellschaftlichen Funktion erforscht werden kann und muss, war dafür ausschlaggebend. Die Institutional Critique in den USA und Westeuropa oder der art sociologique in Frankreich zeugen von dieser neuen disziplinären Nähe von Kunst und Soziologie auf je eigene Weise. In einigen wohlfahrtsstaatlichen Kontexten der westlichen Welt wurde die Gegenwartskunst im gleichen Moment zum Terrain soziologischer Reflexivität wie neuer Policy-Initiativen, die – überwiegend von Künstler*innen erstritten – mit einem neuartigen Bewusstsein des Sozialstaats für das „Berufsfeld“ und die soziale Lage von Künstler*innen einherging. Eine direkte Einflussnahme staatlicher Kunstpolitik prägte die Berufsauffassung und die Sicht auf Kunst „als Arbeit“ in der DDR seit deren Anfängen; mit seiner Rede auf dem 6. Plenum des ZK der SED von 1972 setzte Kurt Hager, der ZK-Sekretär für Kultur, den Ton für eine noch intensivere Befassung der Kunst mit der Arbeitssphäre und dem sozialistischen Arbeitsbegriff.

Veranstaltungsplakat_Grafisch gestaltet mit dem Veranstaltungtitel drauf in BuchstabenHeute ist sowohl vom staatssozialistischen wie vom sozialstaatlichen Bewusstsein kaum noch etwas zu spüren. Neoliberale Austeritätspolitiken und sich wandelnde gesellschaftliche Einstellungen zur Gegenwartskunst resultieren in empfindlichen Einschnitten und Kürzungen der kulturpolitischen Infrastrukturen, einem erhöhten ökonomischen Druck auf künstlerische Produktions- wie Distributionsbedingungen, während gleichzeitig unter Künstler*innen und im akademischen Feld das Interesse an den infrastrukturellen Funktionen der Kunst sprunghaft angewachsen ist. Welche Rolle spielt in diesem zeithistorischen Kontext die fachsoziologische Befassung sowohl mit der wie für die Gegenwartskunst? Und wie reagiert das Kunstfeld darauf, dass es immer mehr zum Gegenstand soziologischer (aber auch z.B. juristischer) Beobachtung wird?

KONZEPT und ORGANISATION: Tom Holert und Léa Kuhn


PROGRAMM [>> PDF]

13:30 | Begrüßung und Kaffee

14:00 | Tom Holert und Léa Kuhn // Begrüßung

14:15 | Moderation: Linn Burchert

Kathrin Rottmann, Hamburg //„Es fällt mir schwer, mich damit abzufinden…“ Charlotte Posenenskes Abschied von der Produktion

Charlotte Hüser, Friedrichshafen // Was soll Kunst gesellschaftlich leisten?
Kunststudierende zwischen künstlerischer Autonomie, sozialer Verantwortung und infrastrukturellen Erwartungen

 15:30 | Kaffeepause  

16:00 | Moderation: Léa Kuhn

Tom Holert, Berlin // Kunst im Sozialstaat. Organisation künstlerischer Arbeit in der Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre

Michael Klipphahn-Karge, Leipzig/München // Arbeit am Sozialismus. (Des)Integrationsprozesse informeller Milieus in der DDR

Nicolas Heimendinger, Paris/Washington, D.C. // Contemporary Art: An Institutional Revolution. The Sociological Definition of an Art-Historical Periodization (via Zoom)

18:00 | Pause

18:15 | Moderation: Tom Holert

Marie Hoop, Lüneburg // Die Institutionalisierung von künstlerischer Forschung als widerständige Praxis. Forschungspolitiken im Kunstfeld mit Bourdieu analysieren

Dirk Hildebrandt, Köln // Über Brücken. Arbeiten zwischen Kunstgeschichte und Soziologie


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TEILNAHME:

Die Teilnahme ist kostenlos.
Die Veranstaltung wird parallel via Zoom übertragen. Dem Zoom-Meeting können Sie unter folgendem Link beitreten: https://us02web.zoom.us/meeting/register/D8wvRPIhSSC6Jpg-mdNZFA. Meeting-ID: 859 5005 0736 | Passwort: 698722. Das Mitschneiden der Veranstaltung oder von Teilen der Veranstaltung sowie Screenshots sind nicht gestattet. Mit der Teilnahme akzeptieren Sie diese Nutzungsbedingung.