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Ayu Okumura // Vom Werk zum Schöpfer: Erhellung des Schöpferprofils des Thomas-Altars von gen. Meister Francke durch ikonografische Analyse und Verbreitungsbereich

Ayu Okumura ist Fellow der Kajima Foundation for the Arts 2026

Das vorliegende Forschungsprojekt befasst sich mit dem Thomas-Altar (ca. 1426–35, Hamburger Kunsthalle) des Hamburger Masters, der als Meister Francke (tätig ca. 1424–36) genannt ist. Ziel ist es, das Bild des Schöpfers dieses Altars, über dessen Autor keine gesicherten Informationen vorliegen und dessen Auftraggeber nur in Ansätzen bekannt sind, durch eine Methodik zu schärfen, die aus zwei Achsen besteht: qualitativer und quantitativer Beobachtung.

Die erste Achse, die qualitative Beobachtung, umfasst die ikonografische Analyse. Die neun erhaltenen Einzeltafeln des Altars werden einer eingehenden ikonografischen Untersuchung unterzogen. Dabei werden ungewöhnliche Bildmotive – wie die Rückenfigur des Auferstandenen oder die den Betrachter anblickende Muttergottes in der Kreuzigungsszene – untersucht und mit dem Kult des Thomas Becket sowie dem geistigen Erbe der St. Birgitta von Sweden in Verbindung gebracht. Ausgehend von diesen Befunden wird das ikonografische Programm des aus mehreren Themen bestehenden Gesamtaltars betrachtet, um den historischen Entstehungshintergrund zu erhellen.

Abbildung_ayuokumura.jpgDie zweite Achse, die quantitative Beobachtung, besteht in der kartografischen Erfassung der Verbreitung analoger Bildmotive. Die Standorte bzw. Entstehungsorte der dem Thomas-Altar verwandten Werke werden als Punkte oder Flächen auf Karten eingetragen; durch Kurvenanpassung werden aus diesen Punktemengen Linien gewonnen und mit historisch belegten Routen und Räumen – etwa Handelswegen – verglichen. Auf diese Weise sollen die Wege rekonstruiert werden, die zur Entstehung des Thomas-Altars geführt haben. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Handelswege der Hanse.

Durch die abschließende Integration beider Methoden wird angestrebt, ein Profil des Malers, der als Meister Francke bekannt ist, in umgekehrter Richtung – vom Werk auf den Schöpfer zurückschließend – zu erhellen.

 

[Abbildung: Hamburger Meister, gen. Meister Francke, Die Anbetung des Kindes, um 1426, Tempera und Öl auf Eichenholz, Hamburg, Hamburger Kunsthalle. Foto: Ayu Okumura]

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