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Barbara Murovec: Kunst in Friedenszeiten. Repräsentation – Traumatabearbeitung – Triumph. Eine vergleichende Studie

DAAD Forschungsprojekt
Barbara Murovec: Kunst in Friedenszeiten. Repräsentation – Traumatabearbeitung – Triumph. Eine vergleichende Studie

Der Aufenthalt will sich der wissenschaftlichen Erforschung von Kunst und ihren Funktionen in Zeiten des Friedens in Form einer vergleichenden Studie widmen.
Ausgangspunkt sind Kunstwerke im Raum des heutigen Slowenien aus der Zeit von 1690 bis 1960. Das Land war im Barock Teil der Habsburger-Monarchie (Innerösterreich) und damit des mitteleuropäischen Raumes, nach dem Ersten Weltkrieg Teil des Königreichs Jugoslawien und nach dem Zweiten Weltkrieg eine Republik im sozialistischen Jugoslawien (die nach dem Informbüro 1948 den sogenannten Dritten Weg ging). Das Forschungsziel des dreimonatigen Studienaufenthaltes besteht darin, Vergleichsmaterial zu sammeln und anhand der an den slowenischen Kunstwerken und Denkmälern entwickelten Thesen abzugleichen und tiefer zu erforschen. Das Projekt geht davon aus, dass die kriegsbedingten politischen Systemwechsel im Untersuchungszeitraum individuelle und nationale Traumata verursachten.
Kunstwerke und Denkmäler wurden in Friedenszeiten vom Staat und den jeweiligen Eliten systematisch bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes in Auftrag gegeben. U. a. wurden sie für die gezielte Steuerung der Erinnerungskultur und die Aufarbeitung der Traumata eingesetzt. Erforscht werden sollen die Funktionen von Kunst in Friedenszeiten während dreier historischer Perioden: die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Türkenbelagerung Wiens (1683) und nach den zwei Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Kunstkann in diesem Kontext unterschiedlichen Zwecken dienen, z. B. der Propaganda, der Verarbeitung, der Verharmlosung, der Heroisierung usw.
Die Funktionen von Kunst und ihre Rolle in Friedenszeiten (besonders in den ersten zwei Jahrzehnten nach den jeweiligen Kriegen) werden an den Beispielen aus dem 17., 18. und 20. Jahrhundert analysiert. Der Krieg stellt mit seinen Folgen sowohl für die Nationen und Staaten wie auch für einzelne Überlebende eine traumatische Erfahrung dar, die in verschiedenen Perioden der Geschichte unterschiedlich rezeptiert und visualisiert wurde.
Die Ausgangsthese ist, dass die bildenden Künste im Krieg überwiegend für Propagandazwecke genutzt werden und andere Funktionen in den Hintergrund rücken. In Friedenszeiten hingegen tritt neben dem auch hier nicht zu vernachlässigenden Aspekt der Propaganda für den Adel, die Kirche bzw. die staatlichen und städtischen Autoritäten auch die repräsentative Funktion der Kunst in den Vordergrund. Dies wiederum trifft sowohl für die Zeit des Absolutismus im 18. Jahrhundert, als auch für die totalitären und demokratischen Systeme des 20. Jahrhunderts zu.
Wie die Ergebnisse verschiedener anderer Forschungsdisziplinen zeigen, ist die Verarbeitung von Traumata im öffentlichen Raum als Teilelement des kollektiven Gedächtnisses für die Gesellschaft und einzelne Person zwar entscheidend, wurde aber bisher in der kunsthistorischen Forschung kaum berücksichtigt. Untersucht werden soll deshalb, wie die unterschiedlichen Staaten mit der traumatischen Geschichte umgingen bzw. umgehen und wie im Kalten Krieg die beiden Blocksysteme damit verfuhren. Bisher kaum berücksichtigt wurde hierbei Jugoslawien, ein Land, das nach 1948 den sogenannten Dritten Weg einschlug und einer Bearbeitung von Traumata auf der kollektiven Ebene durch Kunst und Denkmäler im öffentlichen Raum auswich.



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