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Katja Mikolajczak // Ahasver verstößt Christus von seiner Tür. Studien zum Motiv des Ewigen Judens in der Kunst des 19. Jahrhunderts

Am Beispiel der Darstellungen der Legende des Ewigen Juden Ahasver soll der Umgang mit dem Judentum in der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts untersucht werden. Dabei ist herauszuarbeiteten, wie sich das Motiv auf künstlerischer Seite zwischen Antijudaismus und Erlösungstopik ausdifferenziert und wie es sich zu der in dieser Zeit präsenten Frage der Konversion verhält.

Ausgangspunkt des Vorhabens ist das weitgehend unbekannte Gemälde Ahasver verstößt Christus von seiner Tür von Carl Oesterley (Göttingen 1805—1891 Hannover), welches in der Königlichen Sammlung in Brüssel verwahrt wird. Oesterley, der neben seiner Tätigkeit als Künstler auch Professor für Kunstgeschichte an der Göttinger Universität war, führte das Gemälde 1844 während eines Aufenthalts an der Düsseldorfer Kunstakademie im engen Austausch mit Wilhelm von Schadow und dem um ihn versammelten Künstlerkreis aus.

Mit der Darstellung Ahasvers entschied sich Oesterley für ein Motiv, das in der europäischen Literatur des späten 18. und 19. Jahrhunderts eine Renaissance erlebte und zahlreiche Bearbeitungen fand. Auch in der bildenden Kunst wurde das Thema vielfach aufgegriffen. So integrierte Wilhelm von Kaulbach die Figur Ahasvers in sein 1846 entstandenes Gemälde Zerstörung Jerusalems durch Titus. Zu den bekanntesten Illustrationen der Sage zählt die zwölf Graphiken umfassende Serie von Gustave Doré La Legende du Juif errant aus dem Jahr 1856.

In den literarischen Bearbeitungen des Mythos zeigt sich eine große Ambivalenz in der Auffassung Ahasvers: Er kann als antijüdischer Stereotyp fungieren oder als reuiger Sünder aufgefasst werden, der in Folge seiner Strafe Christus als den Erlöser erkannt hat, also eine Konversion durchlief. Zudem kann der ewig rastlose Ahasver auch paradigmatisch für die leidende Menschheit verstanden werden oder als Sinnbild des Judentums. Dies führt zu der Frage, ob in der Bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts auch diese unterschiedlichen Auslegungen vertreten sind und auf welche literarischen Quellen die Künstler zurückgriffen.

Die Popularisierung dieses Motivs fällt in die Zeit, in welcher viele europäische Regierungen in Folge der Aufklärung die Emanzipation und Integration der Juden anstrebten. In der Ambivalenz Ahasvers manifestieren sich die daraus erwachsenen Konflikte bezüglich des Umgangs mit der jüdischen Bevölkerung. Welche Position beziehen christliche Künstler im 19. Jahrhundert in ihren Darstellungen der Sagengestalt und existieren konfessionell bedingte Unterschiede?

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