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Der Epigrammatische Blick: Die italienische Wiederentdeckung der Anthologia Planudea und die Transformation der Kultur der Kunstbetrachtung in der Renaissance

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In den letzten Jahrzehnten war in der Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte? ein kontinuierlich wachsendes kritisches Interesse sowohl an den Schwesterkünsten Kunst und Dichtung der italienischen Renaissance zu beobachten wie auch an der Vorbildrolle antiker Textquellen für das Verständnis und den Umgang der Künstler dieser Zeit mit Bild und Text. In diesem Kontext hat man dem Tatbestand besondere Aufmerksamkeit geschenkt, dass italienische Dichter der Frühen Neuzeit besonders empfänglich für die encomiastischen Topoi aus der Anthologia Planudea waren. Dank einer Flut von Übersetzungen und Nachahmungen auf der italienischen Halbinsel fand dieses Florilegium hellenischer und hellenistischer Epigramme seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts weite Verbreitung.und . Die Relevanz dieser Gedichtsammlung für die Ikonografie vieler Renaissance-Kunstwerke fand ebenfalls einige Beachtung. Gleichwohl blieb die kunsthistorische Tragweite der Wiederentdeckung dieses Texts, einem einzigartigen Zugang zur Wiederherstellung der Bildkultur der griechischen Antike, größtenteils unerforscht. Das Projekt beabsichtigt, erstmals der zentralen Rolle der Planudea als Quelle für eine ganze Reihe bahnbrechender Methoden nachzugehen,  mittels derer italienische Gelehrte das Betrachten, Bewerten und Deuten von Bildern versprachlichten. Gleichzeitig soll die Studie herausarbeiten, welche Tiefe die Transformationen – bedingt durch die Aneignung der Anthologia – auf diskursiver Ebene erreichten und wie diese die spezifischen Herausforderungen der sich bildenden Kunstlandschaft spiegelten. Das Projekt wird seinen Fokus dabei auf ein breites Spektrum frühneuzeitlicher Texte über Kunst richten, die in den kulturellen Zentren der italienischen Halbinsel entstanden und einen Zeitraum von etwa 150 Jahren überspannen, die Zeit der größten Popularität des Florilegiums (um 1470–1610). Es handelt sich um teilweise unveröffentlichte italienische und neulateinische Gedichte zu Werken von Künstlern wie Andrea Mantegna, Leonardo da Vinci, Vittore Carpaccio, Dosso Dossi und Baccio Bandinelli sowie Traktate wie De Sculptura (1504) von Pomponius Gauricus. Mit einer interdisziplinären Herangehensweise soll die Analyse dieses Materials  nachvollziehbar machen, welche Schnittstellen es zwischen der Planudea und den neuen Modi der Produktion, Präsentation und Rezeption von Kunstwerken gibt. Dadurch wird das Projekt einen bedeutsamen – und  bisher nur ansatzweise erschlossenen – Aspekt des Austausches zwischen der literarischen und künstlerischen Kultur der italienischen Renaissance rekonstruieren, bei dem Worte und Bilder einander  prägten und befruchteten.

Proof of reproduction: Artist of the circle of Giovan Maria Mosca, Lucretia, ca. 1520. Marble 34.5x24 cm. (Baltimore, Walters Art Gallery) (Wikimedia Common Licence)

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