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Dr. Marcus Pilz

Preisträger des Forschungspreises Angewandte Kunst 2020




Gruppe/n: Preisträger

Vita

  • Seit Mai 2020 | Kurator der Abteilung Historische Waffensammlung, Wagen und Schlitten, Orden, Medaillen und Münzen der Kunstsammlungen der Veste Coburg.
  • Oktober 2019–April 2020 | Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Skulpturen, Antike,
    Mittelalterliche und Außereuropäische Kunst des Herzog Anton Ulrich-Museums Braunschweig.
  • Oktober 2017–Oktober 2019 | Wissenschaftlicher Volontär in den Abteilungen Angewandte
    Kunst sowie Skulpturen, Antike, Mittelalterliche und Außereuropäische Kunst des Herzog Anton
    Ulrich-Museums Braunschweig.
  • September 2016–August 2017 | Inhaber des Hanns Swarzenski und Brigitte Horney Swarzenski
    Fellowship for Medieval Art am Metropolitan Museum of Art, New York.
  • Juni 2012–Juni 2017 | Promotion zum Thema „Der Bergkristallschnitt des islamischen
    Mittelalters. Zu seiner Entstehung, Chronologie und der Geschichte seiner Werke.“ bei Prof. Avinoam
    Shalem.
    Gefördert durch ein Promotionsstipendium der Gerda-Henkel-Stiftung.
  • Oktober 2008–Februar 2012 | Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Katholischen
    Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Abschluss des Magister
    Artium.

Publikationen

  • Transparente Schätze. Der abbasidische und fatimidische Bergkristallschnitt und seine Werke. Darmstadt 2021
  • Beyond Fatimid. The Iconography of Medieval Islamic Rock Crystal Vessels and the Question of their Dating. In: Seeking Transparancy: The Medieval Rock Crystals. Proceedings of a conference held at the Kunsthistorisches Institut Florenz. Hg. von Cynthia Hahn und Avinoam Shalem. Berlin 2020, S. 169-181
  • Im Rahmen der Zeit – Barocke Rahmungen in der Sammlung des Herzog Anton Ulrich-Museums. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Neue Folge, Bd. 4, 2019, S. 116-129
  • Aus der Beute des Max Emanuel? Ein Objektbestand zwischen Wunsch und Wirklichkeit. In: Eothen VII, Münchner Beiträge zur Geschichte der Islamischen Kunst und Kultur. Lindenberg 2018, S. 265-311
  • Mezzelune e stelle. La storia e l'iconografia delle bandiere musulmane custodite a Pisa. / Crescents and Stars. The History and Iconography of the Muslim Flags Pre served in Pisa. In: Le bandiere turchesche della Chiesa dei Cavalieri di Pisa. Pontedera 2015, S.145-168
  • Die Türkenfahne zeuge Bayerns Ruhm - Zur Geschichte und Rezeption einer osmanischen Fahne in München. In: Eothen VI, Münchner Beiträge zur Geschichte der Islamischen Kunst und Kultur. Lindenberg 2014, S. 212-227.

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Dr. Markus Pilz über seine mit dem Forschungspreis Angewandte Kunst 2020 prämierte Dissertation „Transparente Schätze. Der abbasidische und fatimidische Bergkristallschnitt und seine Werke“:

Fragment eines Bergkristallgefäßes, abbasidisch, 9. Jh. (© The David Collection, Copenhagen, Inv. Nr. 5-1987)


Die bislang meist als fatimidisch bezeichneten Bergkristallgefäße stellen innerhalb der islamischen Kunst des Mittelalters sowohl in ihrer Gestaltung als auch technischen Ausführung einen herausragenden Höhepunkt dar. Verstreut über eine Vielzahl von Kirchenschätzen und Museen in Europa, sowie zahlreiche internationale Sammlungen, wurden diese Steinschnitte bislang nur in punktuellen Studien zu einzelnen Objektgruppen betrachtet. Bei der zentralen Frage nach Herstellungsort und -zeit dieser außergewöhnlichen Objekte stößt man jedoch in nahezu allen Publikation stets auf dieselbe Provenienzangabe: die Bergkristallarbeiten des islamischen Mittel-alters seien Werke aus fatimidischen Werkstätten und damit im 10. und 11. Jahrhundert in Ägypten entstanden. Basierend auf nur zwei inschriftlich zuweisbaren Stücken, wurde diese Zuschreibung seit mehr als 100 Jahren pauschal auf sämtliche mittelalterlichen Bergkristallschnitte aus der islamischen Welt übertragen.
Die außerordentliche formale Diversität der Stücke sowie die 1936 publizierte Übersetzung des Kapitels zu Bergkristall aus dem Steinbuch des Abū Rayḥān Muḥammad ibn Aḥmad al-Bīrūnī (973–1048), in dem dieser ausführlich auf den weitreichenden Handel mit Bergkristall und dessen Verarbeitung im Abbasidenreich eingeht, ließen erstmals begründete Zweifel an der allein fatimidischen Provenienz der Stücke aufkommen. Zu der in der Forschungsgeschichte immer wieder geforderten und verschiedentlich begonnenen umfassenden Studie zu den Bergkristallarbeiten kam es nie. Diese Lücke in der Grundlagenforschung zumindest teilweise zu schließen war die Zielstellung des Dissertationsprojektes „Transparente Schätze - Der abbasidische und fatimidische Bergkristallschnitt und seine Werke“.
Ausgangspunkt und notwendige Basis dieses Vorhabens war das eingehende, unmittelbare Studium einer möglichst repräsentativen Gruppe von Werken. Nur in dieser detaillierten Untersuchung von Objekten vor Ort war es möglich, die technischen und gestalterischen Eigenschaften und Besonderheiten der Bergkristallarbeiten zu analysieren und damit die belastbare materielle Grundlage für eine vergleichende Arbeit zu dieser Objektgruppe zu schaffen. Ausgehend von den Stücken in deutschen Kirchenschätzen und musealen Sammlungen, erweiterte sich der Untersuchungsbereich auf weitere europäische und nordamerikanische Bestände.
Auf dieser breiten Materialbasis war es möglich, erstmals einen fundierten Überblick über den Bestand zu gewinnen, der die Grundlage aller weiteren Überlegungen darstellte. Das wichtigste Vergleichsmedium bildeten datierbare Glasfunde aus archäologischen Kontexten, allem voran aus der zeitweiligen abbasidischen Kalifenresidenz Samarra.
Aufbauend auf den technischen und stilistischen Beobachtungen ermöglichte die Analyse von Textquellen die Erstellung einer Chronologie, die den islamischen Bergkristallschnitt zudem in die weiteren Traditionen des Steinschnitts im östlichen Mittelmeerraum einbindet.
Im Ergebnis stellt sich der erhaltene Objektbestand nicht mehr als eine monolitische Gruppe dar, sondern erweist sich als das Ergebnis einer Produktion, die spätestens im frühen 9. Jahrhundert unter den Abbasiden einsetzt und unter fatimidischer Herrschaft im frühen 11. Jahrhundert ihren letzten Höhepunkt erlebt.

Bildnachweis: Fragment eines Bergkristallgefäßes, abbasidisch, 9. Jh. (© The David Collection, Copenhagen, Inv. Nr. 5-1987)