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Isabella Schnürle, M.A.

Preisträgerin des Forschungspreises Angewandte Kunst 2022 (Sonderpreis)




Gruppe/n: Preisträger

Vita

  • Oktober 2021 | Beginn der Promotion am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg, Dissertation über Émail de plique à jour als Stilmittel des französischen Jugendstils für die naturgetreue Abbildung biomorpher Strukturen (Arbeitstitel) bei Prof. Dr. phil. habil. Johannes Tripps
  • seit April 2021 | Tutorin am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg für den Kurs „Digitale Ressourcen der Kunstgeschichte“
  • seit Januar 2021 | Lehrbeauftrage für das Modul Baustile im Rahmen des Bachelorprogramms Immobilienwirtschaft an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Mannheim
  • seit März 2020 | Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Mittelalterliche Kunstgeschichte am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg bei Frau Professorin Rebecca Müller
  • seit Oktober 2019 | Tutorin am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg für die Kurse „Tutorium zum Propädeutikum Form & Stil“ sowie „Tutorium zum Propädeutikum Architektur“
  • Oktober 2018 - Mai 2021 | Studium Master of Arts in den Fächern Europäische Kunstgeschichte und Neueste Geschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Thema der Masterarbeit: Das Wiederaufleben von Zellenwerk und die Verwendung von Senkschmelz in der Zeit der Kaiserin Theophanu
  • seit Mai 2018 | Freie Mitarbeiterin für Erwachsenenbildung in der Kunstvermittlung an der Kunsthalle Mannheim
  • Oktober 2014 - Oktober 2018 |  Bachelorstudium der Europäischen Kunstgeschichte und der Ostasiatischen Kunstgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Auszeichnung der Bachelorarbeit Die „Krone einer englischen Königin“ aus der Schatzkammer der Residenz München – Die Frage nach Datierung und Provenienz mit dem Semesterpreis für die beste Bachelorarbeit, verliehen vom Verein zur wissenschaftlichen Förderung der Europäischen Kunstgeschichte am Kunsthistorischen Institut der Universität Heidelberg e.V.

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Zusammenfassung der prämierten Masterarbeit:

Das Wiederaufleben von Zellenwerk und die Verwendung von Senkschmelz in der Zeit der Kaiserin Theophanu

Ausgangspunkt der Arbeit ist ein elementarer kunsttechnologischer Befund: Scheinbar voraussetzungslos begegnet man im ausgehenden 10. Jahrhundert an Goldschmiedearbeiten der Trierer Egbert-Werkstatt qualitativ hochwertigem Zellenwerk (oft in Verbindung mit Zellenschmelz), nachdem diese Technik in nachkarolingischer Zeit außer Gebrauch gekommen war. Das Zellenwerk, das laut den Gesta Dagoberti in spätkarolingischer Zeit ganz aus der Mode gekommen war, wurde bisher ausschließlich als bewusste Karolingerrezeption von Seiten des Erzbischofs Egbert im Sinne einer konstruierten Anciennität interpretiert. Dieser monokausale Deutungsansatz wird zum Anlass genommen, sich in der Arbeit mit ergänzenden und alternativen Erklärungsmodellen vertieft zu befassen. Im Zentrum steht deshalb die kritische Aufarbeitung des Forschungsstandes über die Wiederkehr der Kunst des Zellenwerks sowie damit einhergehend die Fertigungsorte von Senkschmelz in der Zeit der Kaiserin Theophanu. Die Arbeit thematisiert die Technik des Zellenwerks und dessen Wiederaufleben im Ottonenreich, speziell in der Werkstatt Egberts von Trier und untersucht mit kunsttechnologischer wie materialkundlicher Autopsie an maßgeblichen Objekten den kulturgeschichtlich-kunsthandwerklichen Kontext dieser Technik, weiterhin erfolgt eine weitreichende Untersuchung des Almandins und seiner Verwendung in West und Ost, um eine plausible Erklärung zu entwickeln und darzulegen. Um den byzantinischen Einfluss auf die Pretiosen der Egbert-Werkstatt zur Zeit der Theophanu nachzuvollziehen und um das (Almandin-) Zellenwerk in Gänze zu untersuchen, wurde dezidiert auf den Almandin und auf seine Verarbeitung sowie seine Symbolik im ersten Jahrtausend eingegangen. Mit dem Wiederaufleben des Zellenwerks wird die gleichzeitige Verbreitung des Senkschmelzes behandelt, dabei wird vorwiegend der byzantinische Einfluss postuliert und ein Erklärungsmodell für das Revival der Technik vorgelegt: Erst durch den unter der byzantinischen Prinzessin und ottonischen Kaiserin Theophanu intensivierten Objekt-, als auch Wissenstransfer wird die enge Verbindung der Egbert-Werkstatt zu den kunsttechnologischen Traditionen byzantinischer Hofkunst verständlich. Um das Thema des ottonischen Zellenwerks allumfassend zu kontextualisieren wurde die Thematik interdisziplinär, in diesem Fall kunst- und kulturhistorisch betrachtet. Deshalb wird der Fokus auf verschiedene Aspekte der Byzanzrezeption im ottonischen Reich zur Zeit Theophanus gelegt. Dabei werden unter anderem buchmalerische Beispiele der Zeit zu Rate gezogen, um eine Rekonstruktion byzantinischen Schmucks im ottonischen Reich vorzunehmen. Außerdem wird die Technik des Zellenwerks ab dem 8. Jahrhundert fokussiert und eine ausführliche Betrachtung der Objekte aus der Egbert-Werkstatt vorgenommen. Die Hauptwerke für die Belegkraft dieser Arbeit stellen der Egbertschrein, der Buchdeckel des Codex aureus epternacensis, der Berliner Rahmen und das Trierer Nagelreliquiar dar.