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Dr. Korinna Weber

Preisträgerin Theodor-Fischer-Preis 2022


Zimmer: 140b

E-Mail:

Gruppe/n: Preisträger

Vita

  • seit 2019 | Wissenschaftliche Assistentin und Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Architektur und Konstruktion (Prof. Markus Peter) sowie Projektmanager für das EU-geförderte H2020 Projekt «TACK» am Lehrstuhl für Geschichte und Theorie des Städtebaus (Prof. Tom Avermaete) an der ETH Zürich
  • 2016-2019 | Dissertation am Lehrstuhl für Techniken zur Erhaltung von Moderner Architektur (TSAM) der EPF Lausanne unter der Leitung von Prof. Franz Graf und Prof. Giulia Marino; Forschungsthema: Sanierungsstrategien für Nachkriegsarchitektur anhand von Fallbeispielen in Frankreich; Promotionsförderung durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes; Theodor-Fischer-Preis 2022 verliehen durch das Zentralinstitut für Kunstgeschichte
  • 2015-2017 | Fellowship des International Council for Caring Communities, Präsentation bei der «Cities of the Future» Konferenz im UN-Hauptsitz in New York und an der 16th China International Real Estate & Architectural Technology Fair in Beijing
  • 2014 | 3. Teampreis am Studentenwettbewerb «A society for all Ages», Präsentation bei der «Cities of Tomorrow» Konferenz im UN-Hauptsitz in New York
  • 2011-2012 | Auslandsjahr an der ENSA Paris La Villette; Mobilitätsstipendium des BayFrance
  • 2009-2015 | Architekturstudium an der TU München (B.A. und M.A.); Stipendium des Elitenetzwerks Bayern (Max-Weber Programm)

 [Stand April 2022]

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Dr. Korinna Weber über ihre mit dem Theodor-Fischer-Preis 2022 prämierte Dissertation  „Les ‚vestiges’ de l’opération Million dans l’œuvre de Georges Candilis – Actualités et stratégies de sauvegarde pour un patrimoine de l’habitat économique du second après-guerre":

Die Erhaltung von Nachkriegsarchitektur stellt sich als eine komplexe Herausforderung dar. Zu den Gründen gehören beispielsweise das negative Ansehen außerhalb des Fachpublikums und ihre ursprünglich wirtschaftliche Bauweise. Dies betrifft insbesondere den Wohnungsbau der Nachkriegszeit, welcher nur in geringem Umfang als architektonisches Erbe anerkannt und dementsprechend nicht als erhaltungswürdig eingeschätzt wird. Stellvertretend für diesen Umstand wird eine Gebäudeserie aus dem Werk von Georges Candilis analysiert, wobei insbesondere der heutiger Zustand im Vordergrund steht.

Die Forschungsarbeit stellt sich aus drei sehr unterschiedlichen Teilen zusammen, die einen Beitrag dazu leisten möchte dem aktuell eher vernachlässigten architektonischen Erbe des Massenwohnungsbaus der Nachkriegszeit zu mehr Anerkennung und Erhaltung zu verhelfen.

Der erste Teil der Arbeit behandelt das Leben und Werk von Georges Candilis und erlaubt es somit den Beitrag für den Wettbewerb der „Operation Million“ als Schlüsselelement seines produktiven Oeuvres im Bereich des kostengünstigen Bauens für die größtmögliche Wohnungsanzahl hervorzuheben.

Die „Opération Million“ wurde von der französischen Regierung 1955 auf dem Höhepunkt der damaligen Wohnungsnot ausgeschrieben und erhielt ihren Namen aufgrund der Vorgabe, dass die Kosten einer Drei-Zimmer-Wohnung nicht eine Million Franc im Bau überschreiten durften. In der Folge entstanden so an unterschiedlichen Orten in Frankreich zeitgleich eine Vielzahl von schnell errichteter Wohnhäuser, die alle auf den prämierten Grundrisstypen basierten. Der sich von anderen Projekten deutlich abhebende Beitrag von Candilis-Josic-Woods ist kennzeichnet von einem Versatzspiel der Ebenen in der Fassade, im Schnitt und im Volumen.

Der zweite Teil der Dissertation widmet sich dem aktuellen Zustand der einst identischen „Million“-Gebäude und zieht eine ernüchternde Bilanz: Ein Großteil ist bereits abgerissen oder nicht wiederzuerkennen in Folge von weitreichenden Sanierungen, um unter anderem den immer strikter werdenden Vorschriften zur Energieeinsparung gerecht zu werden. Die Forschungsarbeit präsentiert eine Übersicht der Ensembles und definiert fünf Eingriffsarten: Abriss, schwere Intervention, mittelschwere Intervention, leichte Intervention und Erhaltung der ursprünglichen Erscheinung. Jede dieser Strategien wird durch eine Fallstudie veranschaulicht.

Der dritte und letzte Teil der Arbeit widmet sich der quantitativen Analyse des Energiebedarfs der untersuchten Gebäude mithilfe von hygrothermischen Simulationen. Basierend auf dem Ergebnissen der Studie werden Empfehlungen für zukünftige Interventionen formuliert. Dabei wird der Fokus auf einen Kompromiss zwischen architektonischer Qualität und energetischen Anforderungen an die Gebäudehülle gelegt.

[Abbildung: Les „vestiges“ de l’opération Million. Fotomontage der Siedlung La Citadelle in Bagnols-sur-Cèze auf Grundlage einer Fotographie von 1958 (© Pierre Mourier – Terra) und 2017 (© Korinna Zinovia Weber)]