Blösche: Zeitgenössische Druckgrafik als Medium immersiver Kunsterfahrung (Arbeitstitel)

In den 1960er-Jahren begann eine Reihe namhafter Künstlerinnen und Künstler in Südkalifornien mit neuartigen Materialien zu experimentieren, die aufgrund ihrer scheinbar immateriellen Qualitäten zu hervorragenden Ausdrucksmitteln für die Untersuchung von Farbe, Licht und Raum wurden. Die Grenzen zwischen Malerei und Skulptur verschwommen und es entstanden skulpturale Werke, die sich mit malerischen Problemen auseinandersetzten. Die Arbeiten dieser als Light and Space-Bewegung summierten Gruppe von Kunstschaffenden greifen die auf geometrischen Formen basierende, gegenstandslose Ästhetik des Minimalismus auf und rücken die Wahrnehmung des Betrachtenden und die Materialität des Lichtes ins Zentrum der Kunst. Die Kunst wird zum Kulminationspunkt des subjektiven Erlebens und das subjektive Erleben zum Kulminationspunkt der Kunst. Die immersive Kunsterfahrung steht nun im scheinbar diametralen Gegensatz zur Beschäftigung der Light and Space-Künstler*innen mit dem Medium der Druckgrafik. Anknüpfend an Untersuchungen des umfangreichen grafischen Schaffens von James Turrell, die im Rahmen einer Masterarbeit angegangen wurden, sollen nun in einem nächsten Schritt Werke der Druckgrafik von Light and Space-Künstler*innen unter ähnlichen Fragestellungen betrachtet werden. Neben Bildgenese, Lichtgestaltung und Übersetzung installativer Arbeiten in ein zweidimensionales Medium sind phänomenologische Aspekte zu prüfen, ob und wie die Wahrnehmung als Medium der Erkenntnis instrumentalisiert wird. Das Forschungsvorhaben im Rahmen des Wolfgang-Ratjen-Sonderpreises 2017 soll die Grundlage für ein vertieftes Verständnis druckgrafischer Kunstwerke schaffen, die sich mit der Darstellung der Materialität des Lichts und der Manipulation der Wahrnehmung des Betrachtenden als Methode des Erkenntnisgewinns befassen.

Projektmitarbeiter ZI