Provenienzforschung / Werte von Kulturgütern

Eine historisch, ethisch, juristisch, ökonomisch und nicht zuletzt politisch überzeugende Klärung des Schicksals von Kunstwerken vor, während und nach dem Nationalsozialismus stellt eine zentrale Verantwortung Deutschlands dar. Wissenschaftlich betrifft diese Aufgabe entscheidend die Kunstgeschichte – in Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen von der Philosophie über die Zeitgeschichte bis zu den Rechtswissenschaften. Ohne jeden Zweifel steht der Kunstraub der Nationalsozialisten aktuell im Vordergrund. Gleichwohl muss eine wegweisende Aufarbeitung theoretisch, geographisch und historisch breiter aufgestellt sein. Dazu bedarf es einer umfassenden wissenschaftlichen Theorie- und Handlungsbasis; neben Grundlagenforschung zum Kunstmarkt / Kunsthandel und den Akteuren und Netzwerken des ‚Betriebssystems Kunst‘ gehört auch der Status außereuropäischer Kulturgüter in (deutschen und allgemein: in westlichen) Sammlungen zu den Untersuchungsgegenständen. Die Forschungen zum Wert von Kulturgütern im historischen Verlauf, zu Translokationen und zum internationalen Regelwerk des Kulturgüterschutzes sind freilich auch aufgrund jüngster Ereignisse in Krisen- und Kriegsgebieten virulent.

Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI) wurde 1946/1947 als außeruniversitäres Forschungsinstitut in direktem Zusammenhang mit dem Central Collecting Point (CCP) der amerikanischen Militärregierung im ehemaligen Verwaltungsbau der NSDAP gegründet. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich das Institut intensiv mit der Kunstgeschichte des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Im engeren Bereich „Provenienzforschung / Wert von Kulturgütern“ wurden zahlreiche Forschungs-, Erschließungs-, Digitalisierungs- und Datenbankprojekte vom ZI initiiert und mit verschiedenen nationalen und internationalen Kooperationspartnern realisiert.

Das ZI verfügt in Bibliothek und Photothek über exzellente, teils unikale Ressourcen speziell auch für die Provenienzforschung. Aufgrund dieser Infrastruktur und der unabhängigen ergebnisoffenen Grundlagenforschung wird das ZI immer wieder für Beratung, Consulting und Amtshilfe (u.a. Landeskriminalämter Berlin und München) herangezogen. Die Reihe der Kolloquien zur Provenienz- und Sammlungsforschung hat sich inzwischen als internationale Plattform für die Präsentation von Projekten wie für Austausch und Diskussion etabliert.

Seit 2009 ist Prof. Dr. Wolf Tegethoff als Direktor des ZI Mitglied der sog. Limbach-Kommission (Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz).

Das ZI ist Gründungsmitglied im 2015 eingerichteten „Forschungsverbund Provenienzforschung in Bayern“.

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