Dauerndes Ruherecht und nationale Erinnerungsdynamik. Der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.“ 1919-2019

Projektbeschreibung

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt untersucht sowohl die Institutions- und Organisationsgeschichte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. als auch die wechselnden politischen Inhalte und Erinnerungskonzepte und ihre architektonischen und ästhetischen Gestaltungsformen zwischen 1919 und 2019.

Seit dem Epochenumbruch zur Moderne um 1800 bildet das Gefallenengedenken einen konstitutiven Bestandteil der politischen Kultur. In allen europäischen Gesellschaften entstanden politische Rechtfertigungen dieses Sterbens für die Revolution bzw. die Nation. Der Umgang mit den Kriegsgräbern und Denkmälern steht dabei im Spannungsverhältnis von privater Trauer und öffentlicher bzw. nationaler Sinnstiftung, zumal das dauernde Ruherecht seit dem 19. Jahrhundert Sieger und Verlierer zur Pflege der Gräber der gefallenen Soldaten verpflichtet.

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde 1919 in Deutschland der "Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V." gegründet, der diese völkerrechtlich geregelte Aufgabe als gesellschaftliche Organisation, aber in Kooperation mit staatlichen Stellen übernahm. Allgemein ist daher zu fragen, welche Ideen und Leitbilder das Engagement des Volksbundes motivier(t)en?

Eben weil der Volksbund ebenso Indikator wie Faktor der Einstellung zum Kriegstod in Deutschland ist, sollen nicht nur die Akteure und Organisationsformen des Gefallenengedenkens untersucht werden, sondern auch die Gräber und (Sammel-)Friedhöfe selbst. Hier gilt es vor allem, die Formen- und Materialsprache zu analysieren, in der sich das Gedenken an die Kriegstoten materialisierte. Zugleich sind die rituellen und performativen Dimensionen des Gedenkens zu berücksichtigen, sowie die nationale und transnationale Wirkungsgeschichte des Volksbundes.

Ziel des Projekts ist eine umsichtige und reflektierte Gesamtdarstellung auf der Höhe des Forschungsstands.

Laufzeit

1. Februar 2015 bis 31. März 2018

Beteiligte Institutionen

Martin-Luther-Universität Halle, Historisches Institut (Prof. Dr. Manfred Hettling)

FernUniversität in Hagen, Historisches Institut (apl. Prof. Dr. Wolfgang Kruse)

Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München (PD Dr. Christian Fuhrmeister)

Förderer

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Kassel

Ansprechpartner / Kontakt

PD Dr. Christian Fuhrmeister

Projektmitarbeiter ZI

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