Schröder: Die Beinsättel des 15. Jahrhunderts (Arbeitstitel)

Aus dem Spätmittelalter sind Sättel überliefert, deren Oberseiten mit geschnitzten und farbig gefassten Beinplatten geschmückt sind. Die 24 Beinsättel und zwei Sattelfragmente sind trotz ihrer aufwendigen und vielgestaltigen Ikonografie innerhalb der europäischen Kunstgeschichte bislang weitgehend unbeachtet geblieben. Bei der Entstehung und Entfaltung der Werkgruppe schrieben vor allem ungarische Kunsthistoriker dem Hof des Kaisers Sigismund von Luxemburg (1368-1437) in Ofen (Buda) eine große Bedeutung zu. Als politisches Instrument Sigismunds könnten die Beinsättel von Ofen aus an eine auserwählte aristokratische Elite Europas gelangt sein. Historische Belege sowie Motiv- und Stilanalysen an den Beinsätteln können die These jedoch nicht bestätigen. Vor diesem Hintergrund bedarf es einer umfassenden Forschungsarbeit, die grundlegende Quellenforschung betreibt und sich den erhaltenen Beinsätteln in ihrer materiellen Bedingtheit und Ausformung zuwendet. Ausgehend von dem Befund, dass die Beinsättel im 15. Jahrhundert eine Blütezeit erlebten, nimmt sich dieses Dissertationsvorhaben der Aufgabe an und fragt nach der Bedeutung, Verbreitung und den Eignern der Prunkobjekte in ihrer Entstehungszeit. Das Ziel der Dissertation ist es, die Beinsättel als kulturelles Zeitphänomen zu beschreiben und auf diese Weise einen entscheidenden Beitrag zu den wechselseitigen Beziehungen der Höfe Mittel- und Ostmitteleuropas im Spätmittelalter zu leisten. Mit den Beinsätteln gerät eine neue Form des kulturellen Austausches ins Zentrum der Betrachtungen, die neue Erkenntnisse zur höfischen Gemeinschaftsbildung erwarten lassen.
Ferner werden mit der Dissertation Reitzeuge in den Horizont der Kunstgeschichte gerückt. Obgleich diese Objektgruppe zum Teil sehr kostbar und aufwendig ausgestaltet ist und damit unzweifelhaft Relevanz genoss, fand sie bisher nur sehr wenig Aufmerksamkeit. Zugleich werden die geplanten stofflichen und ikonografischen Analysen an den Beinauflagen der Beinsättel eine Bereicherung für die in den letzten Jahren erstarkende gotische Elfenbeinforschung darstellen und neue wissenschaftliche Impulse setzen.

Projektmitarbeiter ZI

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