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Christoph Chwatal // Gemeinschaftsökonomie(n) in der Gegenwartskunst: Interventionen in das Wirtschaften im Werk von Kathrin Böhm, Maria Eichhorn und Irena Haiduk

In diesem Forschungsprojekt untersuche ich künstlerische Arbeiten, die mit der Form von Unternehmen experimentieren. Drei Künstlerinnen-Organisationen dienen dabei als Fallstudien für eine Kartografie verschiedentlich gelagerter ‚Interventionen‘ in Wirtschaftszusammenhänge: [1] Das Projekt Company Drinks ist seit 2014 als Community Interest Corporation in London registriert und verbindet lokale Getränkeproduktion mit gemeinschaftlichem Wirtschaften. Zudem handelt es sich dabei um ein künstlerisches Langzeitprojekt, das von Kathrin Böhm mitinitiiert wurde. [2] Maria Eichhorns in der Tradition der Institutionskritik verortete Maria Eichhorn Aktiengesellschaft entstand 2002 im Rahmen der Documenta11. Sie besteht seitdem als legales Konstrukt, das als juristische Person ohne operatives Geschäft sowie als Kunstwerk funktioniert. [3] Irena Haiduks ‚oral corporation‘ Yugoexport ist seit 2015 als Limited Liability Company in den USA eingetragen. Als Reminiszenz an die Arbeiter:innen-Selbstverwaltung des ehemaligen Jugoslawiens, die vom Kapitalismus und von der sowjetischen Zentralplanung abwich, begleitet Yugoexport Haiduks Praxis projektübergreifend.

Diskussionen an der Schnittstelle von Kunst und Ökonomie weisen einen bemerkenswerten Mangel an transformatorischen Vorstellungen auf. Mit dem Ziel, diese Lücke zu problematisieren, werden in diesem Projekt künstlerische Praktiken der Rückeroberung ökonomischer Räume in den Blick genommen. In seiner feministischen Kritik der politischen Ökonomie, die 1996 in The End Of Capitalism (As We Knew It) ihren Anfang nahm, erforscht das Duo J.K. Gibson-Graham alternative Konzeptionen und Modelle, die als ‚diverse‘ oder als ‚Community Economies‘ bezeichnet werden. Ähnlich wie bei der Soziologin Maria Mies ist Gibson-Grahams Werk mit einer Darstellung verbunden, die als Eisbergmodell bekannt geworden ist. Darin stellen Marktwirtschaft und Lohnarbeit lediglich die sichtbare Spitze einer größeren Formation dar, die Praktiken und Organisationsformen wie nichtkapitalistische Wirtschaftsunternehmungen, Reproduktionsarbeit oder Ökonomien der Gabe miteinschließt.

In diesem Projekt soll ausgelotet werden, inwiefern in der Kunst der Gegenwart kritische und transformatorische Konzeptionen von Ökonomie und Wirtschaften (‚doing economy‘) lokalisiert werden können. So werden Mehrwertproduktion, Kapitalakkumulation und soziale wie ökonomische Relationen, die Kapital- und Eigentumsdiskursen zugrunde liegen, in den Arbeiten von Böhm, Eichhorn und Haiduk nicht nur dargestellt. Vielmehr intervenieren sie durch den ihren Organisationen inhärenten Doppelstatus als (funktionierende) Unternehmen und als Kunstwerke in bestehende Zusammenhänge und Diskurse.

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