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Rebecca Welkens // Forgeries and Networks (ForNet): The Mittheilungen des Museen-Verbandes and forgery networks in the 20th century

Kunstfälschungen zählen zu den größten Herausforderungen kunsthistorischer Forschung. 1898 wurde deshalb der Internationale Museenverband zur Abwehr von Fälschungen und unlauterem Geschäftsgebaren“ gegründet, der bis etwa 1945 bestand. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, Museen, Sammlungen und den Kunstmarkt vor dem Erwerb und der Verbreitung von Fälschungen zu schützen. Über ein internationales Netzwerk führender Museumsexpert:innen wurde versucht, dem Problem entgegenzuwirken. Die Mitglieder des Verbandes kamen unter anderem aus Frankreich, England, Skandinavien, den USA und Russland. Der Verband agierte bewusst geheim, um Strategien und Vermutungen nicht öffentlich zu machen. Zentral war die intern publizierte Zeitschrift „Mitteilungen des Museen-Verbandes“, in der Fälschungen dokumentiert und Verdachtsfälle gemeldet wurden. Auf den jährlichen Konferenzen wurden strittige Objekte diskutiert, Zuschreibungen in Frage gestellt und technische Untersuchungen angeordnet. Manche Werke wurden daraufhin rehabilitiert, andere in die Depots verbannt oder verblieben – teils irrtümlich – als Falschzuschreibung in den Schausammlungen. So prägte der Verband kunsthistorisches Wissen nachhaltig, ohne öffentlich explizit in Erscheinung zu treten.

Im DFG-geförderten Projekt „ForNet – Fälschungen und Netzwerke“ (2024–2027) – eine Kooperation zwischen dem Institut für Europäische Geschichte in Mainz und dem Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg – werden die Mitteilungen des Verbands systematisch untersucht. Die über 800 Einträge der Mitteilungen werden systematisch erfasst und in ein XML-Schema überführt. Auf dieser Basis ermöglichen Graphdatenbanken und Netzwerkanalysen die Identifikation wiederkehrender Muster, etwa zu beteiligten Personen, Institutionen, Objekten oder vermuteten Fälscher:innenwerkstätten. Aufbauend auf diesen Analysen liegt mein Schwerpunkt in der kunsthistorischen Auswertung der Befunde durch gezielte Archivrecherchen. Anhand exemplarischer Fallstudien wird untersucht, wie der Museenverband agierte, wie effektiv seine Strategien waren und inwiefern sich neue Erkenntnisse für die heutige Objekt- und Provenienzforschung gewinnen lassen. Mein besonderes Augenmerk gilt dabei den Macht- und Wissenskonstellationen innerhalb des Verbandes, die kritisch reflektiert werden.

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