Kim: How To Do Things Together: Kooperative Konstellationen der künstlerischen Telekommunikationsprojekte in Victoria, Pender Island und zwischen Wien und Vancouver

Im Rahmen meiner Forschungen untersuche ich Projekte, die unter Verwendung von Telekommunikationsmedien wie dem Telefon, Radio und der Slow Scan Television (SSTV) im Umfeld der Künstler bzw. den Künstler*innenorganisationen Robert Adrian/BLIX (Wien), Bill Bartlett/Direct Media Association (Victoria; Pender Island) und Hank Bull/Western Front (Vancouver) entstanden sind. Die von Bartlett 1978 gegründete Direct Media Association (DMA) veranstaltete Workshops, Ausstellungen, Live-Performances, richtete zeitweilig eine öffentliche Mediathek ein und bot verschiedene administrative Dienstleistungen an, mit dem Ziel, auf diese Weise kreative Anwendungsmöglichkeiten von Telekommunikationstechnologien zu erkunden. In eine Reihe von Projekten der DMA waren auch Adrian und Bull involviert. Die Kooperationen, die unter anderem mit diesen beiden Künstlern als verbindungsstarke Akteure realisiert wurden, betitelte Bull mit dem Neologismus „Wiencouver“. Dabei stellten vor allem die simultanen Live-Performances, in denen mit Telekommunikationsmedien, insbesondere der SSTV, über die geographische Distanz von Wien und Vancouver hinweg audiovisuelle Verbindungen hergestellt wurden, auffällige Manifestationen der Zusammenarbeit dar.

„Wiencouver“ wie auch die Projekte der DMA werden von mir als dezentrale dynamische Phänomene betrachtet, die sich aus dem Zusammenwirken von relational miteinander vernetzten Beteiligten heraus bilden. Ausgehend von einem praxistheoretischen Ansatz richtet sich der Fokus meiner Analysen auf die Rekonstruktion und Einordnung kooperativer Handlungsvollzüge. Indem die Dichotomie von Subjekt und Objekt zugunsten eines Verständnisses von Handlung aufgebrochen wird, welches sowohl ideelle als auch materielle Faktoren als gleichsam wirkmächtig für das Entstehen solcher Phänomene betrachtet, kann in situationsbezogenen Beschreibungen stärker die Materialität in Form von Gegenständen oder auch Infrastrukturen  miteinbezogen werden. Im Vergleich aber auch in Abgrenzung zu Studien in der Soziologie und den Medienwissenschaften ist es ein Hauptanliegen meines Forschungsprojektes, das ästhetische Potenzial sozialen Handelns herauszuarbeiten. Kunstwissenschaftliche Untersuchungen aufgreifend, die performative Arbeiten hinsichtlich ihres kollektiven Vollziehens, der Partizipation von Künstler*innen und Nicht-Künstler*innen, ihrer Gemeinsamkeiten mit und Unterschieden zu sozialen Praktiken befragen, gehe ich demnach einer „anderen Produktion“ nach.

Projektmitarbeiter ZI