Das Projekt

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Episteme der Linien. Theorien und Praktiken von Zeichnen und Zeichnung | 1400-2000

Forschungsprojekt im Rahmen der Kooperation von Zentralinstitut für Kunstgeschichte und Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

(Prof. Dr. Ulrich Pfisterer, Prof. Dr. Matteo Burioni, Tobias Teutenberg M.A., Maria Heilmann M.A., Nino Nanobashvili M.A.)

Das Projekt zu Zeichnen und Zeichnung zielt auf einen der zentralen Bereiche der neuzeitlichen Kunst- und Bildgeschichte. Es verbindet die Bereitstellung und neuartige digitale Erschließung eines bislang praktisch nicht beachteten Quellen-Corpus mit einem größeren Forschungsvorhaben.

Die Zeichnung wird durch die italienischen Disegno-Theorien des 15. und 16. Jahrhunderts nicht nur zum zentralen Kriterium künstlerisch-ästhetischer Bewertung erhoben. Die Zeichnung erscheint in der Folge nicht nur als ‚Vater‘ der drei ‚Töchter‘ Malerei, Skulptur und Architektur. Die ‚Zeichnung‘ im Sinne von geistigem Konzept  wird als unabdingbare Voraussetzung und Grundlage aller menschlichen Tätigkeiten: Wissenschaften, Künste, Handwerke postuliert. Die Theorie der Zeichnung lässt sich um 1600 geradezu als ‚Meta-Diskurs‘ für menschliche Erkenntnisformen verstehen. Auch wenn sich in der Folge diese Hochschätzung teils wieder abschwächen sollte, behält doch das Zeichnen und die Zeichnung eine eigene Rolle in den künstlerischen Praxen, der gesellschaftlichen Einübung ästhetischer Normen und Sehgewohnheiten, bei der Illustration von Erzählungen und Objekten, bei der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse, in der Bilddidaxe usw. Die Relevanz dieser Zusammenhänge wurde und wird intensiv untersucht. Aber allein schon die Materialgrundlage, auf der die bisherigen Forschungen basieren, sind teils sehr beschränkt.

Das Projekt will langfristig in vier großen Bereichen Bilder und Texte zu Theorien und Praxen von Zeichnen und Zeichnung bereitstellen – nämlich zu:

I. Theorien der Zeichnung und ihrem Verhältnis zu anderen Künsten
II. Anwendungsfeldern der Zeichnung in Kunst, Wissenschaft, Illustration, Psychologie, Ethnologie usw.
III. Praxen des Zeichnens, wie sie Zeichenlehrbücher, Vorlagensammlungen, Ausführungen zu Materialien/Instrumente/Techniken und zu den Institutionen und Orte des Zeichnens erschließen helfen
IV. Sammeln, Klassifizieren und Präsentieren von Zeichnungssammlungen und zeichnerischen Künstler-Œuvres

Im ersten Schritt sollen aus Sektion III zunächst gedruckte Zeichenlehrbücher und Vorlagensammlungen, wie es sie seit dem 16. Jahrhundert gibt, erarbeitet werden. Bei diesen handelt es sich um die bislang am wenigsten beachtete Quellengattung der europäischen Kunstliteratur – die zugleich mit Sicherheit die größte Verbreitung erlangt hatte und für die man beträchtlichen Einfluss auf die Ausbildung und Normierung von ästhetischen Kategorien und Urteilen sowie auf das künstlerische, wissenschaftliche und dilettantische Zeichnen und die ‚Semantiken von Linien‘ vermuten darf. Der für das Projekt verfügbare Bestand an ca. 140 Zeichenbüchern – wenngleich noch lange nicht vollständig – verbessert doch die Quellenlage ganz entscheidend, sind bislang noch doch nur ganz wenige Zeichenbücher digital verfügbar (vor allem aus dem englischsprachigen Raum).

Für die Bereitstellung und Archivierung der Digitalisate ist die UB Heidelberg der ideale Partner. Die UB Heidelberg ist bereit, ihren innovativen – den besten derzeit verfügbaren – Viewer für Digitalisate bereit zu stellen, der nicht nur eine Erschließung der Bücher durch kommentierende Texte erlaubt, sondern insbesondere auch ein neuartiges ‚semantisches Verlinken‘ der einzelnen Tafeln auf Vorläufer, Kopien usw. Gerade dies ist aber für die Erschließung der Zeichenlehrbücher entscheidend, bei denen etwa teils über Jahrhunderte die gleichen Methoden und Bildchiffren verwendet wurden. Das Projekt stellt also kein einfaches Digitalisierungsunternehmen dar, sondern möchte zugleich exemplarisch diese neu entwickelte Möglichkeit der Bild-zu-Bild-Kommentierung vorführen.

In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München und  der Universitätsbibliothek Heidelberg.

Kooperationsprojekte:
Architekturzeichnungen & Ingenieurzeichnungen
DFG-Projekt: Architektur- und Ingenieurzeichnungen der deutschen Renaissance. Digitalisierung und wissenschaftliche Erschließung des Zeichnungsbestandes von 1500 – 1650
(Prof. Dr. Stephan Hoppe, Dr. Sebastian Fitzner)

Der Maler als Ixion: Von der Auflösung des disegno in den Wolkengeburten der Phantasie bei Anne-Louis Girodet-Trioson
(PD. Dr. Christine Tauber)

Zentralinstitut für Kunstgeschichte

LMU München

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