Workshop // Adeline Schwabauer: Hornhülle, Monstranzmantel und Fischfutteral. Performativität objektspezifischer Hüllen in der Vormoderne
Termindetails
Wann
von 12:00 bis 13:00
Wo
Fellows und Mitarbeitende des ZI sowie Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler berichten über laufende Arbeiten. Die offene Form des Workshops ermöglicht eine intensive Diskussion. Adeline Schwabauer ist Preisträgerin Forschungspreis Angewandte Kunst 2026.
Passgenaue Hüllen für Trinkgefäße, geschnittene Futterale für liturgische Geräte oder kostbare Etuis für Besteck – diese Arten der Verkleidung sollen im Zentrum des Postdoc-Projektvorhabens stehen. Es geht um Hüllen in der Vormoderne, gemeinhin Futterale oder Etuis, welche für ein Artefakt oder eine Ensemble an Objekten spezifisch angefertigt wurden, um sie als davon getrennte Entitäten gänzlich zu ummanteln. Obwohl sich in den meisten Museen mehrere hundert Futterale unterschiedlichster Arten erhalten haben, finden sie allenfalls im Kontext der darin verwahrten Objekte Erwähnung. Dabei handelt es sich bei den Hüllen ebenso um Artefakte, welche mit handwerklicher Expertise künstlerisch (arte factum) hergestellt wurden. Bei der Untersuchung dieses deutlichen Desiderats gilt es, das Verwendungsspektrum von Futteralen über seine offensichtliche Schutz- und Transportfunktion hinaus zu erweitern und ihr Verhältnis zum Innenliegenden neu auszuloten.
So werden Fragen nach (Un)Sichtbarkeit, Ritualität und Inszenierung gestellt, nach Privatheit und Performativität, Vermittlung, Vorbereitung und Verbergung. Damit lässt sich an der Ver- und Enthüllungsthematik anknüpfen, welche in den letzten zehn Jahren große Aufmerksamkeit in kunsthistorischen Diskursen erfuhr.
Im Workshop wird ein Fokus auf die performative Dimension objektspezifischer Hüllen gelegt, exemplarisch aufgezeigt anhand ausgewählter Fallbeispiele. Was sagt die Gestaltung des Futterals über die Dynamik zwischen Hülle und Innerem aus? Welche Hinweise liefern die Hüllen auf mögliche Inszenierungsstrategien in gemeinschaftsstiftenden Riten? Und welche Rolle können Etuis in herrschaftlichen Zeremonien einnehmen?
[Abbildung: Gabel und sechs Messer mit Futteral in Gestalt eines Fisches, Italien, 2. Drittel 16. Jahrhundert, Eisen, teilweise vergoldet, graviert, ziseliert, Niello, Futteral: Leder, geschnitten, gepunzt, teilweise bemalt und vergoldet, Gabel: 27,1 cm, Messer: 27,5 27,8 cm, Futteral: 37 cm, Leipzig, GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Inv.-Nr. V7451 a–i, © GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Leipzig, CC BY-NC-SA 4.0]