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Christine Follmann // Wissenschaftlicher Bestandskatalog der Sammlung Barbini-Breganze (Staatsgalerie Stuttgart)

Christine Follmann ist Freiraum-Fellow 2026

1852 erwarb König Wilhelm I. von Württemberg (1781–1864) in Venedig die »Pinacoteca Barbini-Breganze«. Diese umfasste 250 Gemälde, insbesondere von italienischen, allen voran venezianischen Künstlern des 16. bis 18. Jahrhunderts sowie einige wenige von deutschen, niederländischen und französischen Malern. Heute befinden sich noch 216 Werke im Bestand der Staatsgalerie Stuttgart, unter anderem von Vittore Carpaccio, Paris Bordone, Domenico Tintoretto, Leandro Bassano, Pietro Bellotti, Nicolas Régnier, Bernardo Strozzi, Giambattista Tiepolo oder Francesco Zuccarelli, aber auch viele bislang noch nicht zugeschriebene Werke sowie einige stark überarbeitete Gemälde, Kopien und Fälschungen. 
Aufgebaut wurde die Sammlung zwischen 1829 und 1843 von dem Maler, Restaurator und Kunsthändler Michelangelo Barbini (1780–1843), der auch als Kunstfälscher tätig war. Dieser profitierte in hohem Maße davon, dass im Zuge der napoleonischen Säkularisation unzählige Kunstwerke aus Kirchen, Klöstern, Scuole und anderen religiösen Institutionen Venedigs auf den freien Kunstmarkt gelangten. Auch zahlreiche Privatsammlungen venezianischer Patrizier, Kunstgelehrter, Künstler oder Kunstagenten standen nach dem Fall der Republik Venedig im Jahr 1797 zum Verkauf.

Bis heute bildet die Sammlung Barbini-Breganze einen zentralen Bestand der Staatsgalerie Stuttgart im Bereich Alte Meister. Anlässlich von Ausstellungsprojekten konnte bislang jedoch nur punktuell zur Erwerbungsgeschichte sowie zu einzelnen Gemälden geforscht werden. Im Rahmen des interdisziplinären Bestandserforschungsprojekts wird die Sammlung Barbini-Breganze nun zum ersten Mal seit ihrem Ankauf systematisch und grundlegend erschlossen. Dabei gilt es vor allem, Zuschreibungen und Datierungen einer kritischen Revision zu unterziehen und in den meisten Fällen zu aktualisieren. Der kunsthistorische Blick wird durch die Expertise der Restauratorinnen der Staatsgalerie Stuttgart erweitert. So erlaubt es der Einsatz modernster Kunsttechnologie, maltechnische Charakteristika sowie die künstlerische Genese einzelner Werke näher zu bestimmen.

 
Weiterführende Informationen: https://www.staatsgalerie.de/de/sammlung/forschungsprojekte/barbini-breganze

Team