Benutzerspezifische Werkzeuge

Sie sind hier: Startseite / Forschung / Projekte / Projekte der Fellows / Katharina Rotté // Markt und Ästhetik des präfabrizierten Bau-Ornaments im 18. und 19. Jahrhunder

Katharina Rotté // Markt und Ästhetik des präfabrizierten Bau-Ornaments im 18. und 19. Jahrhunder

Katharina Rotté ist Preisträgerin des Theodor-Fischer-Preises 2025

Mit meinem aktuellen Forschungsprojekt widme ich mich mit der präfabrizierten Bau-Ornamentik einer Entwicklung in der Architektur, die im 18. Jahrhundert in Großbritannien begann: Neben der Architekten-Architektur und sogenannten vernakulären Bauweisen bildete sich im 18. Jahrhundert ein dritter Typus aus, der insbesondere eine Reaktion auf das beschleunigte Bevölkerungswachstum der Städte darstellte. Derartige Bauten sahen Ingenieure als Entwerfer und Planer vor und benötigten weder Architekten noch Handwerker als Gestalter. Die äußerliche Erscheinung blieb trotzdem wichtig und wurde hauptsächlich der Bau-Ornamentik übertragen. Dabei griff man meist auf ein etabliertes Formen-Repertoire zurück, das seit der Mitte des 18. Jahrhunderts allerdings zunehmend auf neuartige Weise gewerblich produziert wurde. Solche „Marktprodukte“ stießen allerdings auch auf Kritik und waren dann unter anderem Anstoß für die Entwicklung von Bewegungen wie Arts and Craft und den Werkbund.

In meinem Forschungsprojekt untersuche ich die Herstellung gewerblich produzierter Bau-Ornamentik, ebenso wie Befürwortungen solcher. Dass sich die kunsthistorische Forschung industriell hergestelltes Dekor und seine affirmative Rezeption kaum zum Gegenstand gemacht hat, interpretiere ich als Ausdruck der ästhetischen Herausforderung, die solche Produkte für Kunstgeschichte darstellen. Dabei geht es beim präfabrizierten Dekor stets um die Imitation von Formen und Materialien, und somit eigentlich um ein klassisches Thema der Kunstgeschichte. Im Katalog von Wedgwood & Bentley (1773) wurden zum Beispiel Terrakotta-Imitationen kostbarer Steine und Imitationen antiker Büsten präsentiert. Die Hersteller empfahlen etwa, dass mit ihren Produkten „die Damen ihren Geschmack in tausend Formen zur Schau stellen sollten.“ (S. 3) Solche Hersteller-Kataloge gehören neben historischen Zeitschriften zu den wichtigsten Quellen meiner Forschung. Aus ihnen lassen sich die ästhetischen Begründungen erschließen, mit denen gewerblich hergestelltes Bau-Ornament auf dem Markt beworben wurde. Ein Ziel meiner Forschung ist es schließlich, Geschmacks-Entwicklungen auf den Grund zu gehen, denen ein Kunstbegriff antithetisch gegenübersteht, mit dem die Kunstgeschichte noch heute operiert.

Team