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Sina Knopf // Hans Wendland (1880-1972) und seine Verbindungen zum Münchner Kunsthandel


Der promovierte Kunsthändler Hans Wendland (1880–1972) gilt als eine bislang unzureichend erforschte Schlüsselfigur des europäischen Kunsthandels. Insbesondere die in der Forschung bruchstückhafte Rekonstruktion seiner Aktivitäten in den 1930er und 1940er Jahren in der Schweiz und in Frankreich lässt zentrale Aspekte seines Wirkens und seiner Rolle in den grenzüberschreitenden Handels- und Transferprozessen unberücksichtigt. Ausgehend von einem biografischen Ansatz untersucht die Dissertation Wendlands Handlungsspielräume innerhalb der durch das NS-Regime transformierten Kunstmarktstrukturen und setzt diese in Beziehung zu seinem beruflichen Netzwerk und seiner Position im europäischen Kunsthandel in der Vor- und Nachkriegszeit. Dies ermöglicht es, seine transnationalen Netzwerke, die zwischenstaatliche Zirkulation von Kulturgut sowie seine Erwerbs- und Verkaufspraktiken über die politischen Systemgrenzen hinweg zu analysieren und mit den strukturellen Bedingungen des europäischen Kunstmarktes in Beziehung zu setzen. 
Zwei übereinanderliegende, dicke Aktenordner mit Beschriftungen und Etiketten, umgeben von Stoffbändern mit JahreszahlenNeben der biografischen Aufarbeitung des als Red-Flag-Name gekennzeichneten Kunsthändlers stellen auch seine Verbindungen zum Münchner Kunsthandel ein zentrales Desiderat dar. Während er seine Karriere ab 1911 im Pariser und Berliner Kunsthandel begann, lassen sich ab den frühen 1920er Jahren bis in die Nachkriegszeit insbesondere Kontakte nach München nachweisen. Auf Basis von Archivalien wird untersucht, welche Rolle der Münchner Kunsthandel innerhalb von Wendlands Netzwerk einnahm und wie sich die Geschäftsbeziehungen innerhalb der transnationalen Handelsnetzwerke zwischen der Schweiz, Frankreich und Deutschland ausgestalteten. Ein besonderer Fokus liegt auf zentralen Münchner Kunstmarktakteur*innen wie der Kunsthandlung Böhler, der Galerie Thannhauser, der Galerie Heinemann und der Galerie Caspari, mit denen Wendland nachweislich in geschäftlichem Austausch stand und teils langjährige Handelskooperationen pflegte.

 

 [Abbildung: Recherche zu den Spezialfällen im Schweizerischen Bundesarchiv in Bern | Fotografie: Sina Knopf, 2024.]

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