Ausstellung // Hans Haacke

Termindetails

Wann

12.12.2019 um 09:00 bis
07.02.2020 um 20:00

Art

Ausstellung

Wo

Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Katharina-von-Bora-Str. 10, 80333 München, Nördlicher Lichthof, I. OG und Fassade des Gebäudes

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Hans Haacke , Goat Feeding in Woods, 1970 © Hans Haacke / VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Hans Haacke, Goat Feeding in Woods, 1970
© Hans Haacke / VG Bild-Kunst, Bonn 2019

 

Hans Haacke (*1936 in Köln, lebt und arbeitet in New York), international bekannt für seine institutionskritischen Arbeiten, in denen er sozialpolitische Verflechtungen des Kunst(markt)systems aufdeckt und als kritischer Verfechter einer Kunst der „Aufklärung“ gesetzeswidrige, missliche und bedrohliche Realitäten thematisiert, wird ab 11. Dezember 2019 mit einer Ausstellung in München zu sehen sein. Damit ist Hans Haacke, der im Oktober 2019 mit dem Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel ausgezeichnet wurde und dem aktuell eine Retrospektive im New Museum in New York gewidmet ist, bald erneut zu Gast in München: schon 1991 war seine Installation Die Fahne hoch! an den Propyläen auf dem Münchner Königsplatz anlässlich der Gruppenausstellung ArgusAuge (Städtische Galerie im Lenbachhaus) zu sehen. 2017 wurde sein ursprünglich für den Skulpturensockel Fourth Plinth am Trafalgar Square, London, entstandenes Gift Horse in der monumentalen Mittelhalle im Haus der Kunst präsentiert.

In seinem wenig bekannten Frühwerk (ca. 1965–1972) setzte Hans Haacke Tiere und Pflanzen als Akteure in biologischen „Real-zeitlichen Systemen“ (Jack Burnham) ein und nannte diese humorvoll seine „Franziskanischen Arbeiten“. Der namensspendende Heilige galt als Tierfreund, Ökologe und Pazifist, der mit Tieren kommunizierte und sich ihrer annahm. Gerade diese Arbeiten thematisieren die Grenzen eines Werks in Bezug auf seine Umwelt und hinterfragen die Trennung zwischen Kultur und Natur – signifikant für die zeitgenössische Kunstpraxis.

Die Ausstellung im Zentralinstitut für Kunstgeschichte München (12.12.2019 – 7.2.2020) vereint einen frühen Künstlerfilm (1969) und Publikationen aus dem Bestand der Bibliothek mit einer fotografischen Auswahl dieser selten gezeigten biologischen, skulpturalen Systeme: Beleuchtet werden Systemtheorie bzw. Kybernetik, wichtig für Haackes Skulpturverständnis in jenen Jahren, sowie Ökologie und Umweltverschmutzung am Beispiel seiner Krefelder Ausstellung 1972, die die politischen Zusammenhänge von Haackes Arbeiten mit Natur hervorhebt. Seit den im Haus Lange in Krefeld präsentierten Demonstrationen der physikalischen Welt: biologische und gesellschaftliche Systeme prägt die Verwobenheit von Natur, Gesellschaft und Politik das Œuvre des Künstlers. Im Jahr 2000 realisierte er im nördlichen Lichthof des Reichstagsgebäudes die kontrovers diskutierte Arbeit Der Bevölkerung. Bundestagsabgeordnete sind eingeladen, Erde aus ihrem Wahlkreis nach Berlin zu bringen und dort um die auf dem Boden angebrachte Schrift zu platzieren. Das seit fast 20 Jahren wachsende Biotop bleibt sich selbst überlassen. Bereits 1970 hatte Haacke auf seinem Atelierdach einen Haufen Erde aufgeschüttet, der sich wild begrünte (Bowery Seeds).

Erstmals in Süddeutschland zeigt das ZI mit zwei Flaggen und einem Banner an der Fassade des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der NSDAP die Arbeit Wir (alle) sind das Volk – umfangen von Regenbogenfarben in zwölf Sprachen. Diese jeweils ortsspezifisch angepasste Arbeit konzipierte Haacke 2017 für die documenta 14. Nach Stationen u.a. in Chemnitz (Kunstsammlungen), Dresden (Hochschule für Bildende Künste), Leipzig (Hochschule für Grafik und Buchkunst), Halle (Burg Giebichenstein Kunsthochschule), Zwickau (Hauptmarkt) und Weimar (Bauhaus Universität) wird sie nun in München gezeigt. Nach dem 30-jährigen Jahrestag des Mauerfalls erinnert das Kunstwerk an den Slogan „Wir sind das Volk“ der Montagsdemonstrationen in Leipzig 1989/1990, der auch zum Slogan der deutschen Wiedervereinigung wurde. Angesichts der politischen Situation in Europa behält diese Arbeit ihre Aktualität.

Die Ausstellung Hans Haacke findet im Rahmen der Vortragsreihe Kunst Natur Politik: Jetzt statt, die sich diesem Themenfeld aus verschiedenen Perspektiven widmet. Die Vorträge von Hartmut Böhme (Naturästhetik), Ingeborg Reichle (Bio Art) und Philip Ursprung (Architektur und Ökologie) finden am 11.12.2019, 8.1.2020 und 15.1.2020 statt; die Ausstellung ist bis 7.2.2020 geöffnet. 

 

Konzeption
Ursula Ströbele, Studienzentrum zur Kunst der Moderne und Gegenwart, Zentralinstitut für Kunstgeschichte München

 

Mit einer Einführung in die Ausstellung am 11. Dezember 2019, 18:15 Uhr von Ursula Ströbele, Studienzentrum zur Kunst der Moderne und Gegenwart.

 

Die Ausstellung ist vom 12. Dezember 2019 bis zum 7. Februar 2020 jeweils Montag bis Freitag, 10.00-18.00 Uhr zugänglich. Die Arbeiten an der Fassade des Gebäudes sind ganztags zu besichtigen.
An Sonn- und Feiertagen sowie zwischen 21.12.2019 und 1.1.2020 bleibt die Ausstellung geschlossen.
Der Eintritt ist kostenfrei.


#zi_hanshaacke